Vinícius jr. steigt wieder ein – ancelotti zögert vor wm-knaller gegen kroatien
Vinícius Júnior lacht wieder. Am Sonntag sprintete der Real-Galáctico durch die Florida-Sonne, 24 Stunden zuvor noch gesperrt im Kraftwerk von Orlando. Der Oberschenkel zwickte, die Selecao zitterte. Nun flimmert grünes Licht: Kein Muskelfaserriss, kein WM-Aus. Die Karawane rollt – vorerst.
Ancelotti wägt jeden schritt auf dem rasen
Der italienische Altmeister weiß, dass ein einziger Fehlschritt in Orlando nachhallen kann bis nach Los Angeles, Mexiko-Stadt, Vancouver. Seine Devise: „Nur hundertprozentige Körper.“ Die Devise gilt für Kylian, Jude, Rodrygo – und eben für Vinícius, den Rasenflitzer, der gegen Frankreich noch die 90 Minuten vollmachte, danach aber die Hand an die Rippe presste. Kein Drama, nur ein Warnschuss.
Deswegen das Samstag-Aus. Kein Fitnesstrick, kein Marketing-Gag. Ancelotti ließ Bilder machen, wie der 24-Jährige auf dem Laufband Ziehharmonika spielt, während die restliche Truppe Ballkreise zog. Die Botschaft: Wir schützen unser Kapital. Denn am 15. Juni, beim Eröffnungsspiel der WM, soll Vinícius nicht joggen, sondern jubeln.
Brasilien kann sich den Luxus nicht leisten, ihn zu verlieren. Raphinha flog raus, Wesley fehlt ohnehin. Die Flügel sind dünn geworden. Antony? Noch in der Reparaturwerkstatt von Manchester. Savio? 19 Jahre alt, ein Talent, aber noch kein Schwergewicht. Ancelotti braucht den Jungen von Real, der in der Champions League schon Rechtsverteidiger in die Wüste schickt und danach noch Fragen stellt.

Testspiel wird zum gradmesser für den kader
Dienstagabend, Exploria Stadium, 25 000 Fans, die meisten in Gelb. Kroatien bringt Modrić, Gvardiol, Pašalić – ein WM-Viertelfinale im Miniaturformat. Für Ancelotti ist es die letzte Messe vor der Enthüllung seines 26er-Kaders. Drei Tore, zwei Assists, null neue Verletzungen – das wäre das Optimum. Vinícius auf der Bank? Auf der Außenbahn? Oder von Anfang an? Die Antwort trägt Sportdirektor Rodrigo Caetano noch in einem weißen Umschlag herum.
Die Uhr tickt. In 77 Tagen eröffnet Brasilien gegen Kamerun, und die Welt wird wieder fragen: Ist Neymar fit? Ist Vinícius scharf? Ist Ancelotti bereit? Die Antwort beginnt in Orlando, wo ein Oberschenkel stillstand und ein Lächeln zurückkehrte. Brasilien atmet auf – aber nur eine kleine Atempause. Der nächste Sprint kommt bestimmt.
