Vingegaard zieht nach paris-nizza-knaller nach katalonien – der giro lockt
Jonas Vingegaard fliegt auf der Iberischen Halbinsel ein, als wäre die letzte Saison nur ein schlechtes Gewissen gewesen. Nach seiner Vorstellung in Paris-Nizza, wo er die Konkurrenz auf den Bergstraßen pulverisierte, tritt der Däne jetzt bei der Volta a Catalunya an – und das nur wenige Wochen vor dem Giro d’Italia, der letzten fehlenden Trophäe für die Triple Corona.
Die maschine läuft wieder
„Meine Form ist besser als im Vorjahr“, sagt er knapp, nachdem er in der „Course au Soleil“ die Uhr zurückgedreht hat. Kein Einzeldetail, keine Zauberformel – einfach alles ein bisschen besser. Die Zahlen sprechen: höheres Wattmaximum, niedrigere Herzfrequenz, schnellere Erholung nach Belastungsblöcken. Wer ihn in den Pyrenäen attackierte, wurde abgeschüttelt wie Regen von einem Poncho.
Die Katalonien-Rundfahrt ist für ihn kein Schaulaufen, sondern der letzte Praxistest. Hinter dem Horizont wartet der Giro, die einzige der drei Grand Tours, die ihm noch fehlt. „Ich habe Jahre darüber nachgedacht, jetzt ist der Zeitpunkt“, erklärt er. Kein Zufall, dass er gerade jetzt die Marschrichtung wechselt – die Familie steht hinter ihm, kein Psychologe, keine App, nur klare Absprachen mit Frau und Vater. „Manchmal fällt man, aber das gehört dazu“, sagt er und klingt dabei, als hätte er den Sturz schon vor dem Aufstehen verkraftet.

Plan statt pokern
Zwei Rennen vor dem Giro – das reicht. Wer ihm ein zu enges Programm vorwirft, versteht nicht, dass Übertraining für Vingegaard gefährlicher ist als ein verpasstes Wochenende auf Mallorca. Nach Catalunya folgt eine Woche Ruhe, dann Trainingslager in der Höhe. Liege-Bastogne-Liege? „Nicht eingeplant“, sagt er, doch die Stimme verrät, dass er die Ardennen-Klassiker nicht abgeschrieben hat. Weltmeisterschaft oder Lombardei könnten passen – alles offen, nichts verramscht.
Die ewige Duell-Faust mit Tadej Pogacar schwebt über allem. Nach dessen spektakulärem Sieg in Mailand-Sanremo schickt Vingegaard per SMS ein kurzes „Chapeau“ – mehr Diplomatie braucht es nicht. „Er zwingt uns, jeden Tag besser zu werden“, sagt er und meint damit auch sich selbst. Neue Kids wie Paul Seixas oder Isaac del Toro? „Keine Zukunft, sie sind schon Jetzt“, stellt er klar. In Katalonien trifft er auf Almeida und Evenepoel – ein Vorgeschmack auf die Giro-Etappen, wo jedes SekUNDEN-Loch zählt.
Die Uhr tickt. Noch fünf Wochen bis zur Grande Partenza. Vingegaard weiß: Wer den Giro gewinnt, schreibt sich nicht nur in die Statistik ein, sondern in die Seele des Sports. Und dann? Doppelbelastung Giro-Tour? „Wenn der Körper es erlaubt, warum nicht?“ Kein Bluff, keine Show – nur blanker Ehrgeiz. Die nächsten Kilometer in Katalonien werden zeigen, ob die Maschine noch einen Gang höher schaltet. Eines steht fest: Der Däne ist zurück – und diesmal will er nicht nur Rennen gewinnen, sondern Geschichte schreiben.
