Vingegaard zerreißt das feld, steinhauser schlägt ein – paris–nizza liefert das erste kino des jahres
Jonas Vingegaard trat gestern in Nizza nicht einfach über die Ziellinie – er trat der Saison 2026 die Tür ein. Mit 4:23 Minuten Vorsprung vor Daniel Felipe Martínez krönt der Däne seine Generalprobe für die Tour de France und schickt ein Warnschuss in Richtung Tadej Pogačar: Der Wille, 2025 zu wiederholen, ist real.
Georg steinhauser schreibt sich selbst ein drehbuch
Während Vingegaard die Runde dreht und lächelt, fliegt hinter ihm ein Deutscher unter dem Radar ins Weiße Trikot. Georg Steinhauser, 24, Allgäuer, EF Education–EasyPost, sprintet im Getümmel des letzten Kilometers mit zehn Fahrern um jedes Radmillimeter – und landet auf dem Podest. 17 Sekunden Vorsprung auf Kévin Vauquelin reichen für das U25-Symbol. 6:07 Minuten Rückstand auf Vingegaard? Das klingt nach viel, ist aber ein Ticket in die Top-Ten der Welt.
Die Strecke selbst war ein Kammerspiel: 145 Kilometer, Start und Ziel nur einen Steinwurf voneinander entfernt, dazwischen der Col de la Porte, 1.057 Meter hoch, kein Monster, aber ein Stimmungsmacher. Wer dort zögert, verliert. Wer zu frisch wirkt, verliert. Vingegaard war weder, noch – er war einfach weg.

Lenny martinez räumt die bühne ab, frankreich jubelt nebenbei
Am Ende gewann Lenny Martinez die Etappe, ein 22-jähriger Climber, der mit seinem ersten WorldTour-Sieg direkt das Etappenziel seiner Heimatstadt traf. Die Franzosen feiern sich, die Dänen feiern sich, die Deutschen feiern Steinhauser – und der Rest des Pelotons feiert erst mal Pause.
Die Zahlen sind glasklar: Vingegaard hat in 29 Stunden 38 Minuten 12 Sekunden die acht Tage durch die Côte d’Azur geradelt. Das ist keine Vorbereitung mehr, das ist ein Statement. Wer ihn schlagen will, muss dieses Jahr tiefer in die Kiste greifen als je zuvor.
Für Steinhauser bedeutet Platz drei nicht nur Selbstvertrauen, sondern auch Startgeld, WorldTour-Punkte und ein eigenes Kapitel im Buch der deutschen Radgeschichte. 2026 ist erst drei Monate alt – und schon jetzt steht ein Deutscher auf dem Podest einer WorldTour-Rundfahrt. Das war lange kein Alltag.
Die Saison beginnt offiziell erst morgen. Paris–Nizza hat sie aber schon geschrieben.
