Vingegaard zerquetscht das feld in queralt – visma sieht gelb
Jonas Vingegaard hat am Coll de la Trinità die 101. Volta a Catalunya mit dem Zeigefinger entschieden. 1,8 Kilometer vor dem Ziel zog der Däne das Handtuch durchs Red-Bull-Gemenge, sprang aus dem Sattel und fegte Soler, Ciccone, Carapaz und selbst Remco Evenepoel aus dem Rad. 47. Profisieg, erste Katalonien-Krone – und eine Machtdemonstration, die Visma-Lease a Bike im Nacken kitzelt.
Evenepoels attacke wird zur falle
Die Situation war vermeintlich perfekt für UAE Team Emirates. Evenepoel preschte auf der Collada de Sant Isidre mit vier Teamkollegen, Vingegaard blieb nur Sepp Kuss zur Seite. Carlos Rodríguez, Enric Mas, Einer Rubio – alle weg. Oscar Onleys Attacke riss das Favoritenfeld auseinander, 15 Radfahrer hielten sich an Evenepoels Hinterrad. Doch der Belgier spielte sich auf, zog bis zum Fuß des Queralt-Aufstiegs durch – und lieferte damit Vingegaard den perfekten Windschatten.
2,5 Kilometer vor dem Ziel, Steigung 12 %, Tempo 28 Stundenkilometer. Vingegaard schaltet in den kleinen Ring, zwei Pedalschläge, kein Blick zurück. Weg waren Lenny Martinez, weg Lipowitz, weg Evenepoel. 37 Sekunden betrug der Rückstand des Belgiers am Ziel, Martinez verlor 54 Sekunden. Die Visma-Truppe jubelte, UAE schwieg.

Favoriten bluten auf asphalt
Die Klassement-Wunden sind tief. Felix Gall rutschte aus dem zweiten auf den fünften Platz, verlor 1:24 Minuten. Richard Carapaz kapitulierte auf der Abfahrt, Ecuador büßt seine Berg-Konkurrenz ein. Marc Soler und Giulio Ciccone, die als Flucht-Asse die Generalprobe störten, wurden verschlissen. Nun steht Lenny Martinez als Zweiter der Jungen Wilden vor dem Finale nach Barcelona – 1:34 Minuten Rückstand, ein Berg, der noch kitzelt.
Die Statistik spricht eine klare Sprache: Vingegaard gewann in diesem Frühjahr alle drei Etappenrennen, die er begann – Tirreno, O Gran Camiño, Volta. Seit dem Sturz in Basque Country vor zwölf Monaten hat er kein Rennen mehr verloren, das er zielstrebig anvisierte.

Visma sieht gelb, uae sieht rot
Visma kann aufatmen, UAE muss umdenken. Das Team aus Emiraten versenkte Energie in der Fluchtjagd, brannte Matches auf Mittelgebirgen und stand am Ende ohne Matchwinner da. Evenepoel zeigte Zähne, aber keine Kronen. Die Frage bleibt: Wer stoppt Vingegaard auf den großen Alpen-Pässen im Juli? Pogacar? Roglic? O wird es wieder Evenepoel, der sich selbst in die Karten schaut?
Morgen geht’s nach Barcelona, Montjuïc, 162 Kilometer, ein Rundkurs mit Blick aufs Mittelmeer. Für Vingegaard ist es Formsache. Für die Konkurrenz die letzte Chance, das Kapitel „unbesiegbar“ noch zu schließen – bevor der Giro d’Italia das nächste Kapitel aufschlägt.
