Vingegaard stellt sich dem blockhaus-monster: 246 km, 8,4 %, keine gnade
Es ist soweit. Die erste echte Schicksalsprobe des Giro 2026 steht an – und sie trägt Namen Blockhaus. 246 km von Formia hinauf ins Abruzzen-Gebirge, 39,4 km Anstieg, 8,4 % durchschnittlich. Jonas Vingegaard muss heute zeigen, ob seine Favoritenrolle mehr war als ein Medienzitat.
Warum der blockhaus kein normaler berg ist
Die Rampe hat schon Legenden geschluckt und neue geboren. 2017 jagte Nairo Quintana hier in 39:54 min den Berg hinauf – bis heute die einzige Sub-40-Minuten-Zeit überhaupt. Eddy Merckx eröffnete 1967 auf dieser Piste seine Grand-Tour-Dominanz. Wer den Blockhaus bezwingt, schreibt Geschichte. Punkt.
Visma-Lease a Bike wird das Rennen früh zerreißen. Die Frage ist nicht, ob sie attackieren, sondern wann. Direkt nach dem Start? Oder erst auf den letzten neun Kilometern, wo die Steigung auf über zehn Prozent klettert und die Sauerstoffversorgung abrupt sinkt?

Verfolger mit messern zwischen den zähnen
Enric Mas sieht gelassen aus, doch dahinter brodelt es. „Ich kenne den Pass nur aus YouTube, aber meine Beine kennen jeden Meter“, sagte er gestern zum TSV-Reporter. Movistar hat in den ersten Etappen bereits drei Mann oben in der Gruppe gehalten – kein Zufall. Mas will Vingegaard nicht folgen, er will ihn losreißen.
Andrea Pellizzari, frisch gebackener Sieger der Tour of the Alps, hat auf den flachen Tagen bereits sein Gebiss gezeigt. Red Bull – BORA liefert ihm eine Truppe, die bereit ist, auf Befehl Tempo 60 in die rote Zone zu fahren. Felix Gall, Christian Scaroni, Michael Storer – alles Kletterer, die sich in der ersten Woche keine Sekunde haben abkochen lassen.

Die uhr tickt für das rosa-trikot
Ein Blick auf die Generalzeit: Vingegaard liegt zwei Sekunden vor Pellizzari, fünf vor Gall. Symbolik pur. Heute Nachmittag, kurz nach 17:15 Uhr, wird sich entscheiden, wer ab morgen mit dem Maglia Rosa durch Italien fährt. Die Wetter-App verspricht 28 Grad und steife Südwest-Brise – perfekt für einen Offensivkurs, tödlich für alle, die zögern.
Und während die Dauphine-Helden noch ihre Beine eincremen, flimmert bereits die nächste Drama-Leinwand: Die Dreifachbelastung wartet. Tour, Vuelta, Olympische Spiele. Wer heute zu tief grabt, könnte im Juli zahlen. Wer zurücksteckt, verliert schon den Mai.
Der Blockhaus verzeiht nichts. Er misst Herzfrequenz, Willen und Geheimnisse. Am Ende bleibt nur eine Zahl – und die entscheidet über Träume, Millionen, Karrieren. Vingegaard kennt die Rechnung. 39:54. Die Uhr läuft.
