Vingegaard jagt katalonien-triumph: 19 anstiege, drei gipfelziele – das berg-karussell beginnt

Die Straßen Kataloniens werden heute zur Arena. 19 bergwertungen, drei abschlüsse in Serie auf dem Gipfel – und ein Däne, der gerade Paris-Nizza dominierte, als wäre es ein Trainingstempo. Jonas Vingegaard startet mit dem Visier auf das Gelb der Volta, doch Remco Evenepoel, Sepp Kuss, Jai Hindley und ein zurückgekehrter Mikel Landa haben andere Pläne.

Die Startliste liest sich wie ein Who-is-Who des modernen Rad-Elite. Neben dem Visma-Leviathan treffen der València-Sieger Evenepoel, der Tour-Bronze Kuss, der Giro-Champion Hindley und der explosivo João Almeida aufeinander. Thomas Pidcock, Nairo Quintana und Enric Mas komplettieren ein Tableau, das selbst das sonst so arrogante Frühjahr vor Neid erblassen lässt.

Keine ruhepause vor den pyrenäusern

Sant Feliu de Guíxols, Figueres, Banyoles – die Etappenorte klingen nach Mittelmeerflair, doch dahinter lauert sofort der erste Hieb. Die Organisatoren verzichten auf ein langes Einleiten. Schon am Dienstag geht es nach Vallter, am Mittwoch auf den Coll de Pal und am Donnerstag nach Queralt. Drei Tage, drei Gipfel, drei Chancen, die Gesamtwertung zu sprengen oder zu retten.

Die Zahl 19 ist keine Fußnote, sondern die Handschrift des Rennleiters: 19 kategorisierte Anstiege bedeuten 19 Mal Zahnschmerzen in den Waden. Die letzte davon endet traditionell auf dem Montjuïc-Kurs in Barcelona – ein Rundkurs, der schon viele Favoriten in Tränen auflöste und nun wieder ein Finale voller Spannung verspricht.

Landas comeback als x-faktor

Landas comeback als x-faktor

Was die Stimmung zusätzlich entflammt: Mikel Landa feiert sein Saisondebüt. Der Bask war von einem Virus ausgebremst, doch wer ihn kennt, weiß: Wenn die Steigung über zehn Prozent klettert, vergessen seine Beine die Krankenakte. Landa ist kein Mann für sicheres Kalkül – er ist das lebende Jokerblatt, das mitten in der Pyrenäuswoche noch einmal die Tür zum Chaos öffnen kann.

Die Logistik dahinter ist simpel: Keine Etappe unter 160 Kilometer, Luftlinie ständig zwischen Meer und Gipfel, Temperaturstürze von 25 Grad an der Costa Brava auf knapp über fünf Grad in den Höhenlagen. Ein Klima-Wechselbad, das die Energiespeicher leer saugt, bevor der Gipfel überhaupt in Sicht weht.

Für Vingegaard geht es um mehr als ein Frühjahrszahlrätsel. Der 26-Jährige will im Sommer erstmals Giro und Tour bestreiten – ein Doppel, das seit Jahrzehnten kaum einer mehr gewagt hat. Katalonien ist dabei kein Schaulaufen, sondern ein Test unter Wettkampfbedingungen. Seine Bilanz seit dem Saisonstart: fünf Siege, kein Sturz, keine Krankheit. Die Frage ist nicht, ob er attackiert, sondern wann er das Tempo so sehr erhöht, dass selbst die Fernsehbilder ins Stottern geraten.

Die Uhr tickt bereits. In 48 Stunden wissen wir, wer die Berge beherrscht. In 96 Stunden wissen wir, wessen Name in Barcelona steht. Die Volta a Catalunya ist kein Prolog mehr – sie ist ein Kommando, lauter zu treten. Die Reifen rollen, die Ketten klacken, und die Fans an der Straße rufen bereits den ersten Namen: Vingegaard. Ob er am Ende auch der letzte ist, entscheidet sich auf 880 Höhenmetern, die kein Meter verzeihen.