Vingegaard: gelassenheit trotz rückstand – visma warnt vor versteckter gefahr

Praia a Mare – Jonas Vingegaard, der dänische Superstar, hat die 5. Etappe des Giro d’Italia 2026 zwar mit einem deutlichen Zeitverlust beendet, doch im Team Visma-Lease a Bike herrscht Gelassenheit. Während der Rückstand auf das Rosa Trikot auf über sechs Minuten anwuchs, betont Sportdirektor Marc Reef, dass der Plan genau nach Vorschrift abläuft – und warnt vor einer unterschätzten Gefahr, die sich im weiteren Verlauf des Rennens entwickeln könnte.

Ein tag im zeichen des apennin und des regens

Die Etappe von Praia a Mare nach Potenza war ein harter Brocken. Dauerregen und einstellige Temperaturen in den Bergen stellten die Fahrer vor enorme Herausforderungen. Vingegaard verlor zwar Zeit, doch das Team Visma-Lease a Bike scheint nicht in Panik zu verfallen. „Wir haben versucht, ihm alle Kleidung zu geben, die er braucht“, erklärte Reef gegenüber „Cyclingnews“. „Es war eine extreme Etappe, und wir sind froh, dass wir sicher durchgekommen sind.“

Victor Campenaerts, der mit einer beeindruckenden Ausreißergruppe fast 130 Kilometer lange an der Spitze fuhr, sorgte für taktische Flexibilität. Das Team war auf alles vorbereitet, auch wenn Igo Arrieta (UAE Team Emirates-XRG) am Ende die Nase vorn hatte und ein fast schon skurriles Szenario für sich entschied.

Die strategie: kraft sparen für die tour de france

Die strategie: kraft sparen für die tour de france

Der Schlüssel zur Strategie von Visma liegt darin, Vingegaard Kräfte zu sparen. Ein früher Angriff auf das Rosa Trikot kam für das Team nicht in Frage. Stattdessen soll der Däne Situationen vermeiden, in denen er mehr Energie verbrauchen muss, als unbedingt nötig. „Er hat seine Jacke nur einmal gewechselt. Ihm war nicht kalt, er hatte gute Kleidung“, so Reef. Die fehlende Gesamtführung bedeutet auch, dass Vingegaard sich nach den Etappen direkt auf die Regeneration konzentrieren kann – ein klarer Vorteil.

Die 7. Etappe, eine Bergankunft am Blockhaus in den Abbruzzen, wird zum ersten großen Angriffspunkt. Hier gilt Vingegaard als klarer Favorit und soll die Gesamtführung übernehmen. „Ab diesem Moment kann sich Vingegaard nicht mehr verstecken“, so Reef, „aber er hat gleichzeitig schon ein Drittel der Italien-Rundfahrt äußerst kräfteschonend hinter sich gebracht.“

Die unterschätzte gefahr: die folgen des stresstests

Die unterschätzte gefahr: die folgen des stresstests

Trotz des Optimismus mahnt Reef zur Vorsicht. Ein Rennen wie der Giro d’Italia ist ein Marathon, und die Folgen eines solchen Stresstests wie der 5. Etappe können sich erst später zeigen. „Wir werden sehen müssen, welche Folgen ein solcher Tag hat“, warnt er. „In der Vergangenheit war das sehr gut zu beobachten: Ein paar Tage nach einer solchen Etappe ist im Peloton schon etwas im Gange.“ Die Gesundheit der Fahrer steht nun im Fokus, und Visma wird alles daran setzen, dass alle Teammitglieder gesund bleiben. Die sechste Etappe, ein eher flaches Teilstück nach Neapel, bietet hierfür eine willkommene Atempause.

Die Konkurrenz darf sich nicht einlullen lassen. Vingegaard hat seine Strategie offen gelegt, und wenn der Plan am Blockhaus aufgeht, wird es für die Verfolger extrem schwierig, den dänischen Ausnahmeathleten noch abzufangen. Die größte Gefahr lauert nicht im direkten Duell, sondern in der körperlichen Belastung, die der Giro d’Italia mit sich bringt.