Villa auf titeljagd: emery peitscht seine truppe in richtung istanbul
Istanbul ist mehr als Schauplatz – es ist der Schmelztiegel, in dem Aston Villa nach 42 Jahren wieder europäische Geschichte schreiben will. Die Villans treffen im Besiktas-Stadion auf den SC Freiburg, und nur eine Siegesserie trennt sie von ihrem ersten internationalen Pokal seit der glorreichen Europa-Cup-Nacht 1982.
Unai emery lacht nicht über das wort „final-spezialist“
Der Baskische Coach hat vier Europa-League-Trophäen im Regal, doch Selbstzufriedenheit? Fehlanzeige. „Ich bin kein König dieser Liga, nur ein Lehrling, der nie aufhört zu lernen“, sagt er mit jenem leisen Akzent, der bei Spielern sofort Konzentration erzeugt. Seine Zahlen sprechen trotzdem laut: 61 Europa-League-Spiele als Trainer, 38 Siege. Wer so oft das Finale spielt, kann auch über Seitwärtsräume philosophieren – und genau das macht Emery.
Die Reise begann vor drei Spielzeiten mit einem unrunden Kader und vielen Fragezeichen. Halbfinale, Viertelfinale, jetzt Finale – jedes Jahr ein Schritt weiter. „Wir haben die Rückschläge nicht weggeredet, wir haben sie analysiert, verdaut und verrammelt“, erklärt Emery. Die Spieler nennen das „Video-Sessions bis 2 Uhr nachts“. Der Erfolg nennt es „Konstanz“.

Freiburg ist mehr als nur ein nebenbuhler
Christian Streichs Mannschaft lief in dieser Saison bereits 57 competitive Partien, spielte Dreifachbelastung ohne Bundesliga-Absturz. Emery warnt deshalb vor Klischees: „Die Breisgauer laufen nicht nur viel, sie lesen Räume in Millisekunden.“ Sein Scout-Team zählte 37 verschiedene Anspielstationen im Freiburger Aufbaudrittel – ein Hinweis, wie stark der deutsche Underdog variiert.
Für Aston Villa wiederum ist das Finale der Lohn für Transferstrategie und Datenwahn. Zwölf neue Analysten seit 2021, ein Sportdirektor mit Vollmachten, ein Präsident, der sich nach Heimspielen mit Fans ins Holte End Pub setzt. Das alles finanzierte sich über die Rückkehr in die Champions League – und genau diese Einnahmen ermöglichten wiederum Emery’s Wunschtransfers wie Moussa Diaby oder Pau Torres.
Die Stimmung? Mit 8.000 mitgereisten Villa-Fans verwandelt sich die Istanbuler Nacht in ein einziges „Allez, Allez, Allez“. Die Spieler betreten das Feld mit Kopfhörern, aus denen kein Techno dröhnt, sondern die Stimme des 1982er Kapitäns Dennis Mortimer: „Remember who you are.“ Emery ließ das Band selbst schneiden – ein psychologischer Kniff, der bei seinem Talent funktioniert.
Der Blick nach vorne bleibt klar: Gewinnt Villa, startet die neue Saison mit dem Supercup gegen den Champions-League-Sieger – ein finanzielles Plus von mindestens fünf Millionen Euro plus Marketingeffekt. Verliert sie, wartet trotzdem die Champions League, aber ohne Pott, ohne Pokal, ohne Geschichte. Für Emery gibt es kein Mittelding: „Wir sind nicht hier, um an der Bosporus-Brücke Selfies zu machen.“
Der Countdown läuft. In 90, maximal 120 Minuten wissen wir, ob Aston Villa zurückkehrt als König oder wieder nur als Prinz. Die Stadt Birmingham bereitet sich auf eine Fan-Meile vor, der Bürgermeister hat sogar einen Feiertag im Hinterkopf. Emery? Der schaut auf die Uhr, nickt kurz und verschwindet in der Kabine. Dort wartet eine Taktiktafel – und die Chance, einen neuen Eintrag in sein eigenes legendäres Kapitel zu setzen.
