Vikersund wirft die bombe: weltcup-finale fällt ins wasser – planica wird zur schicksalswoche

Der Wind pfeift über dem Monsterbakken, und plötzlich ist nichts mehr wie geplant. Statt spektakulärer Flüge über 250 Meter zieht die Jury durch – Vikersund sagt kurzerhand das Finale der Skiflieger ab. Männer und Frauen, beide Bewerbe, weg. Die Saison schrumpft auf einen einzigen Ort: Planica.

Warum vikersund jetzt kneift – und was das für die dsv-stars bedeutet

Schon beim Quali-Durchgang rissen die Windböen die Fluglinie. Nach sieben Athletinnen stoppte man die Damen, die Herren kamen gar nicht erst vom Schanzentisch. Mehrere Startverschiebungen, dann das unumstößliche Verdikt: Sicherheit geht vor Rekord. Die Konsequenz: Die Gesamtwertung der Männer bleibt offen, Karl Geiger, Andreas Welling & Co. müssen in Planica alles auf eine Karte setzen. Für die Frauen wird Vikersund zum unausgewerteten Nebenschauplatz – Einzelspringen am Samstag, 15.00 Uhr, gilt als letzte Chance auf Punkte.

Die Deutsche Delegation reagiert verhalten. Man habe „mit dem Wetter gerechnet“, hieß es im Lager, doch intern brodelt es: Die Athleten hatten sich auf die Riesenschanze eingeschossen, die Anlaufgeschwindigkeit justiert – nun wird die gesamte Reisekasse umsonst. Sportdirektor Horst Hütter kündigte an, die Saisonanalyse vorzuziehen, „damit wir in Planica keine Sekunde verlieren“.

Die FIS verweist auf Regularien: Windlimits gelten, Punkt. Doch die Entscheidung wirft Fragen auf. Schließlich hatte Vikersund erst vor zwei Jahren neue Windmess-Systeme installiert – offenbar nicht ausreichend, um die Extrembedingungen einzufangen. Die Organisatoren stehen unter Druck, hatten sie doch gehofft, mit einem spektakulären Finale Tausende Zuschauer und Millionen TV-Zuschauer zu binden.

Planica wird zur schicksalswoche – terminplan der letzten chance

Planica wird zur schicksalswoche – terminplan der letzten chance

Freitag, 15.00 Uhr: Einzelspringen der Männer. Samstag, 9.30 Uhr: Team-Bewerb. Sonntag, 10.00 Uhr: zweites Einzelspringen. Für die Frauen steht Samstag, 15.00 Uhr, ein Einzel auf dem Programm. Die Gesamtwertungen sind eng: Bei den Herren trennen Stefan Kraft und Timi Zajc nur 59 Punkte, bei den Damen führt Eva Pinkelnig knapp vor Nika Prevc. Jeder Sprung kann die Trophäe kippen.

Die DSV-Staffel reist mit gemischten Gefühlen. Geiger liegt auf Rang fünf, Welling auf Rang acht – beide brauchen Top-3-Platzierungen, um die Spitze noch zu erreichen. Die Stimmung ist angekratzt, das Vikersund-Debakel nagt. „Wir werden in Planica angreifen, mehr bleibt uns nicht“, sagt Bundestrainer Stefan Horngacher. Die Vorbereitung beginnt sofort: Heute noch Videoanalyse, morgen erste Absprung-Simulation im slowenischen Training.

Ein Trost bleibt: Planica gilt als „Königsschanze“ mit stabileren Windverhältnissen. Die riesige Kulisse, die Tribüne mit 50 000 Plätzen, soll den Athleten neuen Schwung geben. Für die Zuschauer wird es ein Drama – und für uns Sportjournalisten ein Marathon: fünf Wettkämpfe in drei Tagen, das Finale der Flieger, vielleicht die letzte Chance auf einen deutschen Triumph in dieser Saison.

Die Bilanz ist bitter: Vikersund bleibt ohne Sieger, ohne Rekord, ohne Spektakel. Aber vielleicht ist das der neue Normalzustand im Klimawandel-Skifliegen: Windlimits verschärfen sich, Termine rutschen, die Sportart wird unberechenbar. Für die Athleten heißt es ab jetzt: Jeder Wind, jeder Meter zählt – und die Saison endet dort, wo sie einst begann: in Planica, zwischen Himmel und Adrenalin.