Vier männer, die andorra auf die bretter stellten – ganz soldeu feiert ihre ski-pioniere

Vier Namen, ein ganzer Berg: Josep Areny, Ventura Bonell, Miquel Casal und Josep Casal haben heute auf 2.250 Metern im Soldeu-Sektor von Grandvalira gespürt, wie stark ihre Spuren nach mehr als fünf Jahrzehnten noch sind. Der Comú von Canillo und ENSISA riefen zu einem Gedenken auf, das kein einfaches Dankeschön war, sondern die Geburtsstunde des modernen Skitourismus in Andorra endgültig in den Fels meißelte.

Von 800 auf 145.000 stunden: die unglaubliche expansion

1970 standen vier Lehrer auf Brettern, heute 286 Mitarbeitende auf Splitboards und Carvern. Die Zahlen sind schlicht atemberaubend: 800 Unterrichtsstunden im Gründungsjahr, 145.000 in dieser Wintersaison. Kein Wachstum, das sich von selbst ergab. Miquel Casal führte die Schule 42 Jahre lang und verwandelte einen improvisierten Haufen in ein Unternehmen, das heute das größte Geschäftsfeld innerhalb von ENSISA darstellt. Wer heute in Canillo, Soldeu oder El Tarter den Schneepark betritt, steckt in seiner Logik.

Die Zeremonie am Pla d’Espiolets war mehr als symbolisch. Ein historisches Video zeigte Bilder, die selbst alte Bergführern tränenreich machten: Holzstöcke als Stöcke, Wollmützen statt Helme, und dazu die Stimme von Ventura Bonell, der 2012 verstarb, als er 1970 die erste Organisationsstruktur skizzierte. „Wir wollten einfach, dass niemand mehr improvisiert“, sagte sein Sohn, der die Anwesenden mit einem Satz in den Bann zog: „Heute lernen 145.000 Stunden lang Menschen aus aller Welt, was früher vier Kumpels unter sich besprachen.“

Ein lebendiges erbe statt museumsstück

Ein lebendiges erbe statt museumsstück

Der aktuelle Direktor Toni Rodríguez betonte, dass die Schule längst digital denkt: Apps für Gruppenbuchungen, Echtzeit-Tracking für Kinder, Adaptive-Ski-Programme. Doch der Kern blieb: „Wir verkaufen keine Stunden, wir verkaufen Selbstvertrauen auf Schnee.“ Davon zeugt die Personalstruktur: 80 Prozent der Trainer sind zwischen 25 und 40 Jahre alt, haben Uniabschlüsse im Sportbereich und sprechen durchschnittlich 3,4 Sprachen – ein Brain-Gain, der mit den Gründungsvätern begann.

Als Jordi Alcobé, Bürgermeister von Canillo, die Bühne verließ, fiel ihm ein Satz ein, der die ganze Woche durch die Gänge des Rathauses hallen wird: „Unsere Pisten sind Luxus, aber unsere Schule ist Kultur.“ Die Gäste – vom Exkonsul Josep Mandicó bis zum Finanzexperten Xavier Soro – applaudierten nicht nur, sie standen auf. Denn sie wissen: Ohne diese vier Männer gäbe es heute kein Gourmet-Restaurant auf 2.350 m, keine Helikopter-Plattform für Rettungseinsätze, kein internationales Renncamp. Kurz: kein Grandvalira, wie wir es kennen.

Der Schnee fiel in dicken Flocken, als die Enkel der Gründer eine alte Holz-Lehrwand entrollten. Darauf stand in krakeliger Schrift: „Qui no s’arrisca, no pesca.“ Wer nicht wagt, kriegt keinen Fisch. Die Ernte: 145.000 Stunden Unterricht, Millionen Euro Umsatz, ein ganzes Land, das sich auf seine Winter verlässt. Die Moral: Pioniere sterben nie, sie fahren nur die schwarze Piste hinunter – und warten am Talboden darauf, dass die nächste Generation die Spur noch ein bisschen tiefer in den Schnee drückt.