Vfb suhl pulverisiert dresden und krönt sich zum ersten mal zur meisterin

Drei Sätze, dreißig Punkte Vorsprung – und ein ganzes Land schaut sprachlos aufs Palmbergstadion. Die Volleyballerinnen des VfB Suhl haben den Dresdner SC am Mittwochabend mit 3:0 (25:20, 25:16, 25:22) weggespült und damit nicht nur die Finalserie 3:0 entschieden, sondern auch die größte Sensation der jüngeren Ligageschichte perfekt gemacht.

Ein double, das niemand auf dem zettel hatte

Bereits Ende Februar hatten die Thüringerinnen in Mannheim den Pokal gegen Stuttgart gewonnen. Jetzt folgt die Krönung: Erster Meistertitel überhaupt, erstes Double, erstes Mal, dass ein ostdeutscher Club seit 1998 wieder ganz oben steht. „Wir haben die Saison mit dem Ziel angefangen, Play-offs zu spielen“, sagte Trainer Laszlo Hollosy, sichtlich mitgenommen von der eigenen Dramatik. „Dass wir jetzt hier stehen, ist ein bisschen absurd.“

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: 9:0 Satzgewinne in den Finals, 75:58 Punkte, ein Annahme-Quotenunterschied von 63 zu 48 Prozent. Suhl spielte, als wäre der Druck ein Fremdwort. Dresden wirkte dagegen wie ein Team, das plötzlich merkt, dass der Gegner schneller, aggressiver und einfach hungriger ist.

Der weg war kurz, aber steil

Der weg war kurz, aber steil

Als Tabellenzweiter gestartet, schalteten die Suhlerinnen im Viertelfinale Wiesbaden aus, im Halbfinale den amtierenden Meister Schwerin – beide Male ohne Niederlage. Dann der Sweep gegen Dresden, den Serienmeister der letzten Jahre. Kapitän Anna Kalinskaya nahm nach dem letzten Punkt nur kurz den Ball auf, drückte ihn an sich – und ließ die Tränen einfach laufen. „Wir haben heute nicht Volleyball gespielt, wir haben gelebt“, sagte sie später in die Mikrofone von Dyn-Media.

Die Thüringer haben damit nicht nur ein Spiel gewonnen, sondern ein Narrativ umgeschrieben: Der Osten ist zurück – und er kommt nicht als Gast, sondern als Gastgeber. Die 2.800 Zuschauer im vollgedrängten Stadion sangen „Ich will nach Hause, aber nicht ohne Pokal“. Den bekamen sie – direkt in die Hand gedrückt von Liga-Präsidentin Ulrike Kienast.

Der Dresdner SC muss nun die erste Finalniederlage seit 2019 verdauen. Für Suhl beginnt eine neue Ära. Und für den deutschen Volleyball vielleicht auch.