Vfb auerballt: köhler knackt den knoten – und jetzt kommt das 26-tage-feuerwerk
7 Spiele in 26 Tagen. 17 Feldspieler. 0 Punkte Sicherheit. Trotzdem lacht Sven Köhler, 60, plötzlich wieder – und das liegt nicht nur am 3:0 in Rudolstadt und dem 4:1 gegen Grimma. Es liegt daran, dass sein VfB Auerbach den Frust der Hinrunde endlich abgeschüttelt hat.
Der lange schatten des 0:5
Die Saison begann mit einem Klatser gegen Halle, der bis Februar nachhallte. „Das hat sich wie ein Bleigewicht durchs Jahr gezogen“, sagt Köhler. Seine Spieler verpassten Chancen im Sekundentakt, kassierten drei, vier Tore pro Partie, sahen sich selbst im Tabellenkeller. Die Wintervorbereitung verlängerte sich, weil Corona-Spielausfälle das Programm zerrissen. Dabei schlummerte gerade in den Standards ein Vorteil – den jetzt alle sehen.
Seit dem Restart traf Auerbach dreimal nach Ecke. „Wir haben den Jungs ins Ohr geflüstert: Lauft mehrere Szenarien ab, stürmt nicht nur drauf los“, erklärt Köhler. Die Antwort: sieben Tore in zwei Spielen, sieben verschiedene Torschützen. Der neue Zufall? Geplanter Zufall.

Cedric graf – der mann, der den frühling riecht
Mittelstürmer Cedric Graf erzielte fünf seiner sieben Saisontore in den letzten fünf Partien. Der 25-Jährige traf gegen Grimma mit dem Brustkorb, gegen Rudolstadt mit dem Außenrist – und immer mit dem Selbstvertrauen, das Köhler ihm in der Kabine zurückgab. „Cedric ist kein klassischer Knipser, er ist ein Raumfresser. Wenn der läuft, zieht er die Abwehr auseinander wie ein Reißverschluss“, schwärmt der Trainer.
Ohne vier Stammspieler gewann Auerbach trotzdem. Die Bank? Zwei A-Junioren, ein grippengeplagter Linksverteidiger, ein Keeper mit Oberschenkelzerrung. „Ich habe keine Millionenkader, ich habe Charakter“, sagt Köhler und klopft sich auf die Notizliste, in der jedes Minutenkonto steht.

Sachsenpokal-kracher als ventil
Am 29. März gastiert Regionalligist FSV Zwickau im Sparkassen-Erzgebirgsstadion – das Viertelfinale im Sachsenpokal. Für Köhler ist das kein Luxusspiel, sondern ein Druckventil. „Wenn wir gegen Zwickau mithalten, glauben auch die Jungs, dass Oberliga nicht gleich Abstieg bedeutet“, sagt er. Das letzte Derby 2021 verlor Auerbach 0:2. Diesmal steht die Anzeigetafel bereits vor Spielbeginn unter Strom – 1.800 Karten weg, Restbestände in Minutenschnelle.
Der VfB hat vier Heimspiele nacheinander, doch das ist kein Geschenk. Rasen mähen, Kabinen desinfizieren, Tribüne kappen – alles in 48 Stunden. „Wir sind kein Bundesliga-Club, wir sind Dorf mit Stadionlampe“, lacht Köhler, aber der Blick wird scharf. „Wenn wir das erste Heimspiel verlieren, ist die ganze Moral weg. Dann zählt kein Programm mehr.“
Die Rechnung ist simpel: 17 Feldspieler, 630 Spielminuten in 26 Tagen. Das ergibt 37,1 Minuten pro Mann – wenn keiner ausfällt. Köhler hat schon mit dem Sportdirektor telefoniert: „Wir brauchen keinen neuen Stürmer, wir brauchen einen Physiotherapeuten mit Zauberhand.“
Am 14. März geht’s nach Bischofswerda, dann folgen die drei Englischen Wochen. „Wenn wir da sechs Punkte holen, sind wir oben dran. Wenn wir drei holen, schauen wir wieder nach unten. Fußball ist kein Wunschkonzert, er ist ein 90-Minuten-Kampf – und den liebe ich“, sagt Köhler und lacht wieder. Diesmal klingt es nicht wie Erleichterung. Es klingt wie Anpfiff.
