Vfb auerball 1906 entlässt seinen langjährigen trainer sven köhler

Die Entscheidung fiel hart, aber sie fiel. Der VfB Auerbach 1906 trennt sich nach acht Jahren von Sven Köhler und setzt ab Sommer 2026 auf Tommy Färber – einen 35-jährigen Gymnasiallehrer, der bisher Jugendteams des VFC Plauen coachte. Der Klub spricht von „neuen wirtschaftlichen Wegen“, doch hinter der Personalie brodelt ein struktureller Bruch.

Warum köhler gehen muss

Warum köhler gehen muss

Michael Stöhr-Gäbler, Geschäftsstellenleiter, betont die „vertrauensvolle Zusammenarbeit“. Ein schwaches Wort für einen Abschied, der längst überfällig schien. Die Oberliga NOFV-Süd driftet seit Jahren in Richtung Halbprofi-Status: Reisekosten steigen, Lizenzauflagen wachsen, Sponsorenpools schrumpfen. Köhler, Hauptberuflicher, kostete rund 80.000 Euro Jahresgehalt plus Sozialabgaben. Färber kostet die Hälfte – und bringt einen Lehrstuhl mit, der die Vereinskasse nicht belastet.

Doch die Rechnung geht nur auf, wenn man die sportliche Komponente ignoriert. Köhler holte Auerbach 2018 aus der Landesliga, stabilisierte den Klub auf Platz 4-6, schuf ein Ausbildungszentrum, das bundesweit Aufmerksamkeit erzeugte. 62 Prozent der aktuellen Oberliga-Minuten laufen über Köhler-Schützlinge. Färber dagegen trainierte bisher keine Senioren, die Oberliga ist für ihn ein offenes Buch.

Die interne Begründung lautet „Nachwuchsplus“. Färbers U-19 spielte in Plauen gegen nationale Spitze, er gilt als taktischer Pedant, der mit Daten arbeitet. Die Frage ist nur: Wie transferiert man Erfolg aus der Jugend in einen Kader mit 28- und 30-Jährigen, die sich nicht mehr von Lehrern belehren lassen? In Auerbach kursiert bereits das Wort „Lehrgangstil“ – ein Spitzname für jene Spielweise, die in Theorie funktioniert, aber im Modus „Samstag 15 Uhr, Windschiefer Rasen“ versagt.

Der Klub steht derzeit auf Tabellenplatz fünf, drei Punkte hinter dem Aufstiegsrelegationsrang. Die Saison ist noch nicht gelaufen, doch die Weichen für 2026/27 sind gestellt. Köhler erhielt kein Angebot, keine Übergangsrolle, kein Ehrenamt. „Wir müssen flexibel bleiben“, sagt Stöhr-Gäbler. Gemeint ist: Ohne Geld keine Träume. Färber selbst spricht von „Potenzial“, das er „weiterentwickeln“ will. Was genau er entwickeln will, bleibt offen – die Mannschaft, die Lizenzstruktur oder seinen Lebenslauf.

Der VfB Auerbach spart sich in die Zukunft. Ob diese Zukunft dann noch heißt: Oberliga-Mitte statt Anschluss an die Regionalliga, wird sich zeigen. Fakt ist: Am 30. Juni 2026 beendet Köhler mit 51 Jahren seine Auerbach-Ära. Am 1. Juli beginnt für Färber das Experiment – und für den Klub die Wette, dass Lehrpläne mehr Punkte bringen als Leidenschaft.