Velasco schließt olympia-stars aus: harte linie gegen nationalteam-verweigerer

Julio Velasco macht keine Gefangenen. Der argentinische Cheftrainer der italienischen Volleyball-Nationalmannschaft hat vier Olympia-Helden aus dem Kreis der Azzurre verbannt – und das mit einer einzigen Begründung: Wer einmal „Nein“ sagt, bekommt kein zweites Mal die Chance.

Die Rede ist von Cristina Chirichella, Sara Bonifacio, Marina Lubian und Elena Pietrini. Alle vier hatten im Vorjahr eine Einladung in das Nationalteam für die WM-Vorbereitung abgelehnt – offiziell aus körperlichen Gründen. Doch Velasco lässt keinen Zweifel daran, dass hinter der Verletzungsliste ein Machtkampf steckt. „Es ist nicht die Spielerin, die entscheidet, wann sie das Trikot trägt“, sagte er der Gazzetta dello Sport.

Chirichellas ende nach 11 jahren in azzurro

Cristina Chirichella, jahrelang Kapitänin, 249 Länderspiele, Olympiateilnahme 2016 und 2021, Europameisterin 2021 – sie war die erste, die den neuen Kurs spürte. Nachdem sie 2023 bereits von Ex-Coach Davide Mazzanti aussortiert wurde, zog Velasco 2024 nach. Die 32-Jährige durfte nicht einmal zum Olympiasieg nach Paris fahren. Ihre Antwort: ein weiteres „Nein“ zur Rückkehr 2025. Ein Akt der Selbstbehauptung – oder der Eigendynamik?

Die anderen drei haben ähnliche Geschichten. Sara Bonifacio, 32, lange Zeit Nomadin zwischen Club Italia und Novara, war nie eine gesetzte Größe, aber Teil der Erfolgsmannschaften. Marina Lubian, 26, Mittelblockerin mit Olympia-Silber 2024, galt als Zukunft der italischen Mitte. Elena Pietrini, einst Shootingstar, verpasste fast die gesamte Saison 2023/24 wegen einer Schulter-OP. Auch sie sagten ab – und sind nun draußen.

Velasco baut neue dna ohne altlasten

Velasco baut neue dna ohne altlasten

Der Coach setzt auf eine neue Generation. Mit Paola Egonu, Myriam Sylla, Anna Danesi und Alessia Orro testet er frische Machtverhältnisse. „Ich habe ihnen ein Angebot gemacht“, sagt er. Wer sich weigert, sich dem Kollektiv unterzuordnen, fliegt raus. Kein Kompromiss.

Die Botschaft ist klar: Die Vergangenheit zählt nicht. Auch keine Medaillen. Velasco will keine Stars, die sich ihrer eigenen Aura bedienen. Er will Spielerinnen, die laufen, bis die Lungen brennen – und dann noch einmal sprinten. Die vier Ausgeschlossenen müssen nun mitansehen, wie das neue Italien ohne sie startet. Für Chirichella ist die Karriere in Azzurro wohl beendet. Für die anderen bleibt die Frage: Wann ist der richtige Moment für ein Comeback – und erlaubt Velasco überhaupt noch eines?

Der Volleyball-Verband hat sich hinter seinen Coach gestellt. Die Fans sind gespalten. Die einen feiern die Konsequenz. Die anderen vermissen die Identifikationsfiguren. Aber eins ist sicher: Wer jetzt nicht dabei ist, wird auch 2025 nicht dabei sein. Velasco baut um – und er baut radikal.