Var-sabotage in münster: hertha erstickt aufstiegsträume in letzter sekunde

Ein einziger Schlag. Ein einziger Stecker. Und ein ganzes Stadion verlor den Anschluss an die Realität – während Hertha BSC am Sonntagabend die Minimalchance auf die Bundesliga am Leben hielt. Marten Winkler traf in der dritten Minute der Nachspielzeit zum 2:1 (1:0) bei Preußen Münster, doch das Tor stand längst nicht mehr im Mittelpunkt. Die Geschichte dieses Spiels schrieb der Fan, der dem VAR den Saft abdrehte.

Der monitor blieb schwarz, der schiri blieb cool

Was sich anhört wie ein Trick aus einem B-Krimi, passierte mitten im Profifußball. Kurz vor dem Seitenwechsel hatte Michael Cuisance im Münster Strafraum das Bein weggezogen, Niko Koulis traf ihn am Schienbein. Video-Schiedsrichterin Katrin Rafalski schaltete sich ein, bat Felix Bickel an den Rand. Doch als der Referee vor dem Monitor stand, blinkte nur Schwarz. Jemand hatte das Kabel gerissen – vermummt, über den Zaun, direkt neben dem Spruchband „Dem VAR den Stecker ziehen“. Die Ironie perfekt: Bickel entschied trotzdem auf Elfmeter, weil Rafalski ihm per Funk die Bilder beschrieb. Fabian Reese verwandelte, Münster glich aus, die Kurve tobte – gegen den Videobeweis und gegen Hertha.

Die Berliner hatten vor der Pause durch Deyovaisio Zeefuik geführt, nach dem Seitenwechsel kassierten sie den Ausgleich per Handelfer. Doch statt zu wanken, schoben sie den Ball in der Schlussphase erneut ins Netz. Winkler, bis dahin kaum wahrgenommen, wurde zum Matchwinner. Acht Punkte Rückstand auf Rang drei, neun Spieltage noch – das ist die Mathematik, die Hertha jetzt antreibt.

Münster steckt tiefer im sumpf

Münster steckt tiefer im sumpf

Für die Preußen war es der dritte Heimauftritt in Folge ohne Sieg, der Anschluss an das rettende Ufer liegt nur noch zwei Zähler entfernt. Die Fans feierten sich selbst, sangen nach Abpfiff „Wir sind der VAR“, doch die Tabelle lügt nicht. Trainer Benno Möhlmann schüttelte nur den Kopf: „Wir haben 90 Minuten lang alles reingeworfen, dann bekommen wir in letzter Sekunde den K.o. Das tut weh.“

Hertha-Coach Stefan Leitl atmete durch. „Wir wussten, dass wir hier nicht nur gegen elf Spieler antreten, sondern gegen eine ganze Region“, sagte er und spielte auf die lautstarke Kulisse an. „Dass wir trotzdem gewinnen, zeigt Charakter.“

Die Bilder der Sabotage gehen um die Welt. Die DFB-Schiri GmbH bestätigte den Vorfall, die Sicherheitskräfte fahnden nach dem Unbekannten. Für den Spielbetrieb ist die Sache klar: Der VAR ist nur so gut wie seine Stromversorgung. Und manchmal ist eben auch der Schiedsrichter nur ein Mensch mit einem schwarzen Bildschirm.

Am Ende zählen drei Punkte für Berlin – und ein Scherbenhaufen für Münster. Die Liga schreibt ihre Geschichten nicht nur mit Toren, sondern auch mit Steckdosen.