Vanoli packt aus: „das war meine beste woche in florenz – und gudmundsson hat noch einen gang mehr“

18.600 Fans, ein früher Schlag, ein spätes Aufbäumen, ein Punkt gegen den Meister. Im Artemio-Franchi-Stadion roch es nach mehr, doch am Ende stand ein 1:1, das Paolo Vanoli trotzdem in Jubelstimmung versetzt. „Meine beste Woche seit meinem Amtsantritt“, sagte der Coach nach dem Schlusspfiff, und man glaubt ihm jedes Wort: fünf Pflichtspiele in vierzehn Tagen, drei in sieben, kein Muskelriss, kein Streik, nur eine Mannschaft, die plötzlich wieder nach vorne denkt.

„Der kälteste treffer der saison“ nagt trotzdem

Inter traf nach 73 Sekunden, Frattesi schob ein wie auf Bestellung. Vanoli stemmte die Hände in die Hüften, schüttelte kurz den Kopf – und stellte um. „Wir haben sofort die Räume neu justiert“, erklärt er. „Die Abstände zwischen den Linien waren vor zwei Wochen noch ein Krankenhaus, heute sind es Ampelmacher-Abstände.“ Was er meint: Sein 4-2-3-1 schob sich immer früher auf den Ball, Gudmundsson rückte aus der Halbposition ins Zentrum, Kean wurde zur Luftnummer erster Güteklasse.

Die Belohnung folgte in der 67. Minute: Beltrán mit der schwäbsten Direktabnahme seit Batistuta-Zeiten, Ausgleich, Franchi tobt. „Wir hätten sogar noch drehen können“, sagt Vanoli, „aber der Punkt ist ein Sechspunkter in unserer Tabellensituation.“

Kean, gudmundsson und der verborgene turbo

Kean, gudmundsson und der verborgene turbo

Der Trainer lobt, aber er nagelt auch fest: „Kean hat fast neunzig Minuten durchgepuffert, seine ersten Schritte im Sprint sind wieder da, die Tore kommen.“ Dann der Hinweis an Gudmundsson: „Er kann noch eine Spur weiter nach innen rücken, dann wird er zum zweiten Stürmer, wenn wir den Ball drehen.“ Klingt nach taktischem Geheimrezept für das nächste Spiel, am Sonntag in Verona, wo es um den Kontakt zum rettenden Ufer geht.

Vanoli wischt die Frage nach der Europa-League beiseite: „Erst schlafen. Dann Folgendes: Wir haben in dieser Woche bewiesen, dass wir nicht nur laufen, sondern auch denken können.“ Die Zahlen sprechen mit: 41,7 km/h Top-Sprint, 112 Ballgewinne im Mittelfeld, 17 Schüsse – alles Saisonbestwerte.

Beim Verlassen des Mixed Zone glänzt seine Stimme nicht mehr nur vor Mikrofonen, sondern auch vor Zuversicht. „Wenn wir so weitermachen, brauchen wir uns nicht zu verstecken“, wirft er ein, „und wenn Gud noch einen Gang hochschaltet, verstecken sich bald andere vor uns.“