Van aert schlägt im showdown zurück – belgier fährt sich frei und alle anderen platt

Eine Faust auf dem Lenker, der Blick voller Gier: Wout van Aert schlug in Villars-les-Dombes zu, als hätte er die vergangenen Tage nichts weiter getan, als die Kraft zu sammeln. 195,8 Kilometer nach dem Start in Saint-Chamond katapultierte der Visma-Lease a Bike-Kapitän sich aus dem Windschatten der Konkurrenz – und ließ selbst Hugo Hofstetter, Frankreichs Sprint-Hoffnung, den Kopf hängen.

Der moment, in dem sich alles drehte

Die Galopp-Phase begann spät, fast zu spät. 1500 Meter vor dem Ziel wirkte van Aert noch eingekreist, NSN und Bahrain-Victorious hatten ihre Züge auf der letzten Rampe aufgerollt. Doch der Belgier wartete, bis die linke Seite der Straße aufklaffte – und schlüpfte hindurch. Mit einem einzigen, kraftvollen Schlag auf die Pedale schob er sich vorbei an Phil Bauhaus, der nur noch den Daumen in die Schnüre schieben konnte, um nicht das Gleichgewicht zu verlieren. 1,2 Sekunden später war die Entscheidung gefallen.

Die Stoppuhr zeigte 4:11:26 Stunden, der Schnitt lag bei 46,7 km/h – auf einer Etappe, die eigentlich für die Kletterer gemacht schien. Van Aert hatte sich den Kopfwind, die drei Kat-Sprinter und die eigenen Zweifel vom Leib gefahren. „Als der letzte Anstieg kam, wusste ich, dass die Beine noch einmal Feuer geben“, sagte er im Zielinterview – und klang dabei wie ein Mann, der gerade eine Rechnung beglichen hat.

Baudin bleibt cool im gelb

Baudin bleibt cool im gelb

Alex Baudin fuhr mit derselben Gelassenheit über die Linie, mit der er seit dem Zeitfahren in Roanne die Führung trägt. Der 24-jährige Franzose von EF Education-EasyPost verlor keinen einzigen Sekundenbonus, bleibt damit weiterhin 14 Sekunden vor Matteo Jorgenson und 23 vor Romain Bardet. „Van Aert zeigt, dass man auch ohne Bergankunft Rennen gewinnen kann – aber wir verteidigen das Gelb, bis die Berge kommen“, sagte Baudin. Die stehen am Samstag an, wenn es über den Col du Béal auf knapp 1.400 Höhenmeter geht.

Zwei zahlen, die alles sagen

Zwei zahlen, die alles sagen

62 – so viele Sägespäne hatte van Aert auf seinem Oberrohr, jedes ein Symbol für die Windkanal-Arbeit, die Visma seit Wochen betreibt. 14 – so viele Zentimeter fehlte Bauhaus am Ende, um den belgischen Vorstoß noch abzufangen. Es ist die kleinste Distanz der Saison, gemessen an einem Sprint, der sich anfühlte wie ein Box-Knockout.

Van Aert packte seine Brille ein, hob die Hand zum Himmel – und verschwand im Gewusel der Podiumskinder. Die Tour Auvergne-Rhône-Alpes aber hat jetzt einen neuen Schwung: Der Belgier ist zurück, und er bringt Rauch und Feuer mit.