Frankreich trifft auf senegal – desailly warnt vor geisterspiel von 2002

Am 16. Juni rollt in Düsseldorf der Ball – und Frankreich bekommt es erneut mit Senegal zu tun. Die Erinnerung brennt: vor 22 Jahren läutete eine 0:1-Pleite gegen die Afrikaner den Super-GAU des amtierenden Welt- und Europameisters ein. Marcel Desailly trug damals die Kapitänsbinde. Heute, als FIFA-Botschafter, sieht er eine neue Generation, die den Schatten endgültig abschütteln will.

Zwei jahrzehnte später – dieselbe frage: reicht die mentalität?

„Viele der Jungs heute waren noch gar nicht geboren“, sagt Desailly im Gespräch mit Flashcore. „Druck entsteht nur, wenn man ihn mit 2002 verknüpft. Diese Mannschaft ist stärker als das.“ Seine Stimme klingt ruhig, fast trotzig. Er weiß, wie schnell sich Fußball-Geschichte wiederholt.

2002 war Frankreich die große Attraktion – und ging als Statist unter. Das Eröffnungsspiel, das Selbstvertrauen, das Alter: „Wir waren 31, 32, jeder hatte schon alles gewonnen. Die Beine wollten, der Kopf spielte verrückt“, erinnert sich Desailly. Drei Tore in der Vorrunde, kein einziger Sieg. Die Torschützenkönige von England, Frankreich und Italien – Henry, Trezeguet, Cissé – verknallten sich ins Aluminium.

Senegal ist afrikameister – und hat nichts mehr zu verlieren

Senegal ist afrikameister – und hat nichts mehr zu verlieren

Heute tritt der amtierende Kontinental-Champion an. „Für Senegal ist das eine Freifahrt. Sie zitieren das 1:0 von 2002 wie eine Kampfansage“, so Desailly. Die französische Startelf dagegen wirkt jung, hungrig – und reif für Spott, sollte sie stolpern. „Man darf nicht vergessen: Wir reden über eine andere Ära. Die Spieler wissen Bescheid, aber sie leben nicht in 2002“, betont der ehemalige Verteidiger.

Eine letzte Attacke richtet er gegen die Legendenbildung um Marokko: „Senegal ist Afrikameister. Punkt. Wer auch immer anderes behauptet, versteht nichts von Fußball.“

Der Countdown läuft. Frankreich will die Revanche, Senegal die Sensation. Die Uhr tickt – und mit ihr die Angst, dass sich 90 Minuten alles wiederholen köpfe, die einst eine Nation lahmlegte. Nur diesmal trägt niemand mehr die Last von 2002 auf den Schultern.