Valverde explodiert in wembley – und erinnert sich an den tag, als niemand seinen namen kannte
Fede Valverde schlug zweimal zu: einmal mit dem Fuß, einmal mit dem Herzen. Seinen 94-Minuten-Elfmeter zum 1:1 gegen England feierte Uruguay wie einen Titel – und der 27-Jährige wie eine Zeitreise. Genau zehn Jahre ist das her, dass er als 17-jähriger Peñarol-Junge in Montevideo das erste spanische Mikrofon vor die Nase bekam. Damals noch „El Pajarito“, heute „Halcón“. Damals noch Zukunft, heute Gegenwart.
Der junge vom rio de la plata trifift den königsklassen-gegner
Die Zahl, die ihm dieses Jahr am meisten Spaß macht: acht Tore, acht Vorlagen – und das bis Juni. Hinzu kam das Hattrick gegen Manchester City, ein Spiel, das selbst im Bernabéu schweigen machte. Valverde lachte später: „Ich habe Mina gesagt, das war für unser drittes Kind. Danach Schluss mit Primetime.“
Seine Frau Mina Bonino schwört auf einen Zusammenhang: jedes Mal, wenn sie schwanger war, lief ihr Mann zur Höchstform auf. Das dritte Baby kommt im Herbst – und Valverde spielt bereits wie entfesselt. Gegen England war es kein Zufall, dass er die Kugel vor 83 000 Zuschauern in die Maschen hämmerte. Er hatte es sich vorher notiert: „Wembley hat mir gefehlt.“

Die ursprüngliche entdeckung in den katakomben von los aromos
2016, ein Tag vor seinem 18. Geburtstag, stand er in Peñarols Trainingsanlage und wusste noch nicht, dass Real Madrid schon den Vertrag unterschrieben hatte. Diego Forlán half, die Pressestelle öffnete das Tor, und wir saßen im Büro von Carlos M. Benguera, der gerade einmal 55 Minuten von ihm gesehen hatte – und trotzdem schon von einer „neuen Maschine“ sprach. Valverde trug noch die Jugend-Klemmbausteine an den Stollen, heute schmückt seine Unterschrift den Kontrakt bis 2029.
Die Stimme war damals noch hell, die Schultern schmal. Heute kommt er in den Medienräumen mit dem zweiten Arm voller Tattoos und dem Blick eines Mannes, der weiß, dass er zur Elite gehört. Josema Giméńez wird künftig Kapitän sein, Valverde sein Stellvertreter – ein Amt, das in Uruguay nicht nur Binde, sondern Erbschaft bedeutet.

Statistik als stimme des moments
Seine Laufleistung gegen England: 11,7 km. Ballaktionen: 97. Erfolgreiche Pässe: 91 %. Zweikämpfe gewonnen: 12 von 15. Die Zahlen sind lauter als jedes Interview. Und sie erzählen ohne Pathos, warum der kleine Junge vom Rio de la Plata heute als bestes Mittelfeld-Talent der Welt gilt.
Am Rande des Platzes ließ er sich vom Reporter ein Foto zeigen – jenes aus dem März 2016. Er lachte, schüttelte den Kopf: „Wir waren Kinder, und ihr habt es gesehen.“ Dann drehte er sich um, Richtung Kabine. Keine Rhetorik, kein Marketing-Satz. Nur ein Satz, der bleibt: „In zehn Jahren treffen wir uns wieder – und dann erzähle ich vom ersten Champions-League-Titel mit Uruguay.“ Er ging, ohne zu fragen, ob jemand daran zweifelt.
