Valencia steht vor dem europacoup – und erfüllt ein uraltes spottversprechen gegen barça
Als Juan Roig in den späten 80ern durch die Halle Fonteta schlenderte, pfiff er einen Satz, der damals wie Hohn klang: „Wir holen den Pokal der Landesmeister, bevor Barça ihn kriegt.“ Barça verlor damals Finale um Finale – 1983, 1990, 1991, 1996, 1997 – und Valencia war ein Provinzklub mit Leihbussen und Korbplätzen, die noch nach Farbe rochen. Heute, 40 Jahre nach Gründung des Clubs, steht Valencia Basket im Köln-Finale der EuroLeague. Real Madrid blockiert den Weg, aber der Satz Roigs ist plötzlich wieder wahr.
Die nacht, in der die pointe kippte
2003 löste Barcelona das Versprechen selbst ab: Bodiroga, Navarro, 78:65 gegen Benetton Treviso. Roig lachte damals schulterzuckend, aber er steckte die Zeile nicht weg. Er baute ein Nachwuchszentrum, finanzierte über 20 Millionen Euro aus eigener Tasche und ließ Scoutingabteilungen wachsen, während andere Klubs Schulden stapelten. Die Fonteta wurde zur Festung, und jedes Mal, wenn Barça in Valencia verlor, flüsterten alteingesessene Fans: „Noch ist die Rechnung offen.“
Die Rechnung trägt jetzt das Datum 24. Mai 2024. Semifinale. Valencia hat die beste Defense der K.o.-Phase (nur 73,4 Punkte pro Spiel) und einen Rafa Martínez, der 2014 schon einmal vor dem Titel stand und damals im Viertel gegen Moskau um 0,9 Sekunden verpasste. Martínez ist das lebende Gedächtnis des Vereins, er spielte in der Segunda, schleppte Koffer in der Zweiten Liga, feierte 2017 die ACB-Meisterschaft. Gegen Madrid wird er sein 689. Pflichtspiel im Valencia-Trikot bestreiten – Rekord.

Warum dieses spiel ein ganzes leben zählt
Valencia ist keine Fußballmetropole mehr, die neben Barça und Madrid verhungert. Die Stadt führt die europäische Statistik bei Zuschauern pro Kopf im Basketball. 8.000 Dauerkarten sind weg, bevor das Sommertransferfenster aufgeht. Der Klub schuldet keinen Cent an Spielergehältern, hat 47 Nachwuchsmannschaften und eine Akademie, die NBA-Scouts regelmäßig auf Gran Canaria vorbeischicken. Roig, inzwischen 74, sitzt nicht mehr auf der Ersatzbank, aber er telefoniert vor jedem Play-off-Spiel mit Coach Mumbrú. Thema: Tempo kontrollieren, rebounden, dann laufen.
Barça? Schon ausgeschieden. Olympiakos warf sie raus. Damit ist der alte Spott wieder aktiv – nur mit umgekehrten Vorzeichen. Wenn Valencia am Sonntag den Pokal hebt, wäre es der erste spanische Klub außerhalb von Madrid und Barcelona, der die EuroLeague gewinnt. Das würde nicht nur 40 Jahre Wachstum krönen, sondern auch das Narrativ kippen, dass spanischer Basketball ein Zwei-Starsystem ist.
Die Zahlen sprechen klar: Valencia gewann 11 der letzten 12 Spiele, hält Gegner bei 29 Prozent Dreierquote und hat mit Jasiel Rivero einen Big Man, der in der Zone 67 Prozent trifft. Madrid bringt Musa und Tavares, aber verlor beide Regular-Season-Duelle in der Fonteta. Die Quoten sehen das Duell dennoch 60:40 für Madrid – was in Valencia niemanden mehr schockt. Sie haben 1995 den Abstieg überlebt, 2016 das Viertelfinale gegen Khimki nach 0:2 gedreht, 2017 die Finalserie gegen Real mit 3:1 geklärt. Ihre DNA: erst dann richtig giftig, wenn alle zählen sie ab.
Um 21:00 Uhr deutscher Zeit ertönt in der Köln-Arena der Champions-Song. Dann steht nicht nur ein Titel auf dem Spiel, sondern die Richtigkeit eines Satzes, der vor 35 Jahren in einer Rumpelküche voller Korbgerümpel fiel. Wenn der Buzzer ertönt, könnte Juan Roig seine Jacke zuknöpfen und leise sagen: „Zahltag.“ Keine Frage, kein Pathos – nur die nüchterne Feststellung, dass manchmal Provinzclubs die großen Kalender umstellen. Valencia ist bereit, das Madrid-Finale zu klauen und damit die Geschichte zu klauen – genauso wie damals prophezeit.
