Valencia basket steht vor der nacht aller nächte: roig arena wird zur glutofen

21 Uhr, Roig Arena, fünftes Spiel: Valencia Basket kann heute Geschichte schreiben. Kein spanischer Klub schaffte zuvor eine Final-Four-Qualifikung nach 0:2-Rückstand. Gegner Panathinaikos bringt dieselbe Rechnung mit: Athen will nach 2011 endlich wieder unter den letzten Vier stehen. Beide Teams haben sich in dieser Serie schon alles gegeben – vier Spiele, vier Krimis, insgesamt nur zehn Punkte Differenz. So eng war seit Einführung des Best-of-five-Formats 2009 noch keine Serie.

Zahlen, die lügen: warum die favoritenrolle trotz heimrecht kippt

Die Publikation der EuroLeague statuiert ein klares Bild: Teams, die nach 2:2-Führung in Spiel 5 zu Hause sind, gewinnen 71 % der Fälle. Doch genau diese Serie sprengt jede Formel. Valencia gewann in Athen zweimal knapp, Panathinaikos schlug zweimal in Valencia zurück. Pedro Martínez nennt es beim Namen: „Das Feld ist 50:50, das Feld ist 0:0, und die Taktik beginnt von vorn.“

Die Defensivwerte sprechen für die Spanier: Im Font de Sant Lluís kassiert Valencia im Schnitt 75,8 Punkte, die Griechen kommen auf 83,4. Doch die Athener treffen aus der Corner-Zone 42 % ihrer Dreier – nur Real Madrid und Barça sind besser. Wenn Sloukas und Grant früh einschießen, kann die Halle quietschen, so laut sie will.

Die x-faktoren: martinez’ rota und atamans poker

Die x-faktoren: martinez’ rota und atamans poker

Pedro Martínez wird wohl wieder auf die Dreier-Meute setzen: Harper, Webb und López-Arostegui absolvierten gestern ein 45-Minuten-Sondershooting, Datenanalysten hatten die Bahnen der Panathinaikos-Close-outs auf Tablets gelegt. „Wir wollen die offenen Lücken treffen, aber auch die zweiten Wurfaktionen kontrollieren“, sagt Martínez. Dahinter steckt eine klare Botschaft: keine wilden Isolations, sondern Side-Step-Pop nach Offensive-Rebounds.

Gegenüber plant Ergin Ataman ein Hochrisiko-Blatt. Der Türke denkt laut über eine Startformation mit Lessort und Papagiannis gleichzeitig nach, um die Valencia-Pick-and-Roll-Engine zu ersticken. Damit würde Athen Tempo opfern, aber die Offensive-Boards erhöhen – ein Zug, der die Roig Arena in einen Rebound-Kampf verwandeln könnte.

Emotionen, ekel, ekstase: was die halle erwartet

Emotionen, ekel, ekstase: was die halle erwartet

Die 9.000 Tickets waren nach 38 Minuten vergriffen, auf dem Schwarzmarkt kosten Stehplätze 280 Euro. Die Penya-Fans probten gestern bereits „MVP, MVP“-Rufe für Chris Jones, obwohl der Point Guard selbst sagt: „Ich bin bereit, aber bereit sein reicht nicht – ich mache es.“

Die Stimmung kocht auch wegen der Vorgeschichte: Dimitris Giannakopoulos’ Platzverweis in Spiel 2, die Trainer-Rauswürfe in Spiel 3, die anschließenden Geldbusen – das alles hinterlässt einen salzigen Nachgeschmack. Martínez will davon nichts wissen: „Wenn wir wegen Emotionen verlieren, sind wir selber schuld. Ich brauche klare Köpfe.“

Der countdown läuft: wer trifft den letzten punch?

Der countdown läuft: wer trifft den letzten punch?

Mitternacht in Valencia rückt näher. Die Teams haben 200 Minuten gegeneinander gespielt, nur zehn Punkte trennen sie. Die EuroLeague wird ein neues Kapitel schreiben – entweder mit dem ersten Final-Four-Einzug des Klubs oder mit der nächsten Athen-Nacht der Champions. Pedro Martínez blickt auf die Uhr: „Wir haben 40 Minuten, vielleicht 45. Am Ende zählt ein Korbleger, ein Freiwurf, ein verrückter Abpraller. Aber genau dafür spielen wir Basketball.“