Coppa-finale trägt alles: lazio oder inter – europas schicksal steht auf dem platz
Rom brennt. 21 Uhr, Olimpico, 70 000 Zuschauer, ein Pokal, ein Ticket für Europa – und zwei Trainer, die alles auf diese 90 Minuten gesetzt haben. Lazio empfängt Inter, und plötzlich zählt die ganze Saison nur noch dieser Abend.
Chivu schickt die ungeschlagene maschine
Cristian Chivu lacht nicht. Er weiß, dass das Double so nah ist, dass es weh tut. Seine Nerazzurri kommen als frisch gebackene italienische Meister, haben die Laziale erst am Wochenende gedemütigt, und trotzdem: „Ein Finale ist ein Finale, nicht ein Freundschaftsspiel“, sagte er gestern noch. Alle Stars sind fit, kein Experiment. Romelu Lukaku und Lautaro Martínez bilden wieder das Dream-Duo, im Mittelfeld regiert Nicolo Barella. Die Marschroute: frühes Tor, dann das Tempo drosseln und die Römer in ihre Ungeduld treiben.
Maurizio Sarri dagegen braucht den Pokal wie Luft. Die Saison war ein einziger Zahnarztbesuch: Aus in der Champions-League-Quali, Platz sieben in der Liga, Fans, die seine Zigarettenmarke beschimpfen. Gewinnt Lazio, rückt die Mannschaft in die Europa League, Sarri behält seinen Job. Verliert sie, fliegt er – mit 8 Mio. Euro Abfindung, aber ohne jeden Rückenwind. „Wir haben nichts mehr zu verlieren“, sagte er gestern. Das klang nicht nach Tapferkeit, sondern nach Bankrott.

Englische woche mit englischem finale
Parallel flackert die Premier-League-Titelkampf-Leinwand. Manchester City empfängt Crystal Palace – ein Nachholspiel der 31. Spieltag, das die Liga wieder in Pep-Guardiolas Hände legen kann. Gewinnt City, liegt der FC Arsenal nur noch einen Punkt vorbei und muss in den letzten beiden Spielen zittern. Die Citizens spielen ohne Haaland, dafür mit dem kleinen Torpedo Julián Álvarez. Palace hat nichts mehr zu holen, aber Trainer Glasner will seine Elf „mit Stolz in den Urlaub schicken“. Das reicht selten gegen einen hungrigen De Bruyne.

Paris blickt nach lens – und zittert
In Frankreich könnte der Meister schon heute gekürt werden. Lens empfängt Paris Saint-Germain, sechs Punkte trennen beide. Ein PSG-Sieg bedeutet: Titel Nummer zwölf mit einem Spiel zu früh. Verliert Paris, geht die Entscheidung in den letzten 90 Minuten. Luis Enrique droht das Schlimmste: Mbappé fällt aus, nachdem er sich am Wochenende die Schulter gestaucht hat. Lens spielt vor ausverkauftem Haus, der „Sang et Or“-Wall tobt seit Tagen. Für die Hauptstadt wäre es die erste Meisterschaft ohne Neymar – und vielleicht die letzte mit Messi-Gespenst.

Spanien feiert den gekrönten barça
Zweihundert Kilometer westlich von Valencia fliegt der FC Barcelona schon über den Rasen. Der 1:0-Sieg im Clásico bescherte Xavi Hernández die Liga, nun darf er in Alavés mit B-Elf und Jugendspielern probieren, wie weit Pedri und Gavi schon sind. Die Katalanen spielen um 21.30 Uhr, zur gleichen Zeit duellieren sich Villarreal und Sevilla um den letzten Europapokal-Platz. Beide Klubs trennen drei Punkte, beide Trainer sitzen auf glühenden Stühlen. Wer verliert, kann im Sommer die Koffer packen.
Und dann ist noch Italien, wo in der dritten Liga fünf Playoff-Rückspiele gleichzeitig laufen. Lecco, Ravenna, Renate, Salernitana und Potenza träumen vom Aufstieg, während in Mailand schon die Sektflaschen kaltgestellt sind. Aber egal, was in Lecco oder Alavés passiert: Ab 21 Uhr zählt nur Rom. Dort wird nicht nur ein Pokal vergeben, sondern ein ganzes Jahr gerichtet. Lazio oder Inter – Europa lacht nur für einen.
