Demirovic schwärmt: hoeneß bester deutscher trainer – keiner käme für ihn infrage

Stuttgart – Ermedin Demirovic hat die Latte hochgelegt. Besser als Sebastian Hoeneß? „Ich sehe keinen“, sagt der VfB-Angreifer und meint es so ernst, dass er sogar den Neffen von Uli Hoeneß damit über den legendären Onkel hebt. Im Sky-Gespräch fallen Sätze, die in dieser Deutlichkeit selten sind.

Kein trainer liegt ihm näher

„Unter dem ich lieber trainieren würde“, das klingt nach Absage an Julian Nagelsmann, an Xabi Alonso, an jeden, der aktuell als heißer Kandidat auf den nächsten Bayern-Job gehandelt wird. Demirovic redet nicht um den heißen Brei herum. Er redet Tacheles. Und er redet davon, wie Hoeneß aus einzelnen Spielern Verbände macht.

Die Zahlen untermauern das. Seit Hoeneß im Februar 2023 übernahm, holte Stuttgart 1,96 Punkte pro Bundesliga-Spiel – nur der Bayer Leverkusen von Alonso liegt seitdem höher. Die Tore nach der Pause? Fast verdoppelt. Die Laufleistung? Um 7 % gesteigert. „Es passiert automatisch hier“, sagt Demirovic, „weil der Trainer das im Griff hat zu sehen, was man bei Spielern rausholen kann.“

Die Methodik ist simple, aber effektiv. Hoeneß lässt nach jedem Spiel Einzelvideos schneiden – nicht länger als 90 Sekunden, dafür mit Sequenzen, in denen der betreffende Spieler einmal gewann, einmal verlor. „Du siehst dich selbst erfolgreich, du siehst dich selbst scheitern. Das brennt sich ins Gehirn“, berichtete ein Mitspieler dem Kicker. Das Trainerteam um Frank Fröhling und Eddy Sözer verteilt diese Clips vor der nächsten Einheit. Kein Vortrag, keine Powerpoint-Orgie. Just pure Konfrontation.

Sturmduo statt ego-duell

Sturmduo statt ego-duell

Demirovic und Deniz Undav – laut Demirovic kein Konkurrenten-Duo, sondern „Doppelpack“. Wer sitzt, jubelt trotzdem. Wer trifft, umarmt den anderen. Die interne Statistik: Beide zusammen erzielten 24 der 61 Saisontore. Kein anderes Sturm-Duo in der Liga hat häufiger direkt nacheinander getroffen. „Wir sehen uns nicht als Konkurrenten, sondern als Duo“, sagt Demirovic. Das klingt nach Marketing-Sprech, ist aber ein psychologisches Meisterstück von Hoeneß. Er setzt sie nebeneinander ins Training, lässt sie dieselben Aufwärm-Passüungen absolvieren, rotiert sie im Spiel nur, wenn beide schon mal drin waren. Keiner soll sich verlassen fühlen.

Die Kabine stimmt das Lied mit. „Wir haben das Feuer, das wir brauchen, und gleichzeitig die Lockerheit“, sagt Demirovic. Dahinter steckt ein Ritual: Nach jedem Heimsieg darf der Man-of-the-Match eine Playlist auflegen – Hoeneß erträgt sogar Schlager, wenn es Siege bringt. Letzte Woche lief Helene Fischer, danach gab’s ein 4:0. Seitdem ist Fischer Dauerbrenner.

Die Frage ist nur: Hält das Feuer auch, wenn es um die Champions-League-Millionen geht? Noch vier Spieltage, noch vier Finals. Platz vier bedeutet rund 50 Millionen Euro – Geld, das Stuttgart dringend braucht, um die Gehälter der Leistungsträger zu stemmen. Demirovic sagt: „Wir verteidigen den vierten Platz bis zum letzten Spieltag.“ Klingt nach Kampfansage. Klingt nach Vertrauen. Klingt nach Hoeneß.

Am Ende bleibt ein Satz hängen, der alles auf den Punkt bringt: „Wenn du hier trainierst, weißt du, warum du morgens aufstehst.“ Kein Slogan, kein Hashtag. Nur ein Stürmer, der sich ganz altmodisch verliebt hat – in seinen Trainer, in sein Team, in die Idee, dass aus Stuttgart wieder ein europäischer Kraftort werden könnte. Und wenn Hoeneß weiter so „automatisch“ macht, was er macht, dann glauben bald nicht nur die Spieler, dass er der Beste ist. Dann glaubt es vielleicht sogar die Liga.