Vanina jagt den mörder von thomas ruscica – und ihre eigene vergangenheit

Catania erwacht. Die Sandfarbenen Gassen glühen im Abendlicht, und Vanina Guarrasi hat nur noch wenige Stunden, um den Mörder des jungen Thomas zu finden. Dabei kreuzt ausgerechnet Paolo Malfitano ihren Weg – der Anti-Mafia-Richter, der einst ihr Bett und heute ihre Nerven beanspruchte.

Um 21.35 Uhr flimmert auf Canale 5 das Finale der zweiten Staffel „Vanina – Un vicequestore a Catania“. Nach dem Quoteneinbruch der Vorwoche (1,86 Mio., 13,8 %) braucht der Palomar/RTI-Krimi ein Spektakel. Er liefert es: La banda dei carusi heißt die letzte Episode, und der Titel ist Programm. Kindersoldaten der Mafia, erpresste Altarjungen, ein katholischer Freiwilliger als Leiche – das alles jagt Giusy Buscemis Kommissarin durch ihre eigene Stadt.

Warum der ex zurückkommt und sofort für zündstoff sorgt

Paolo, gespielt von Giorgio Marchesi, stand monatelang auf der Abschussliste der Cosa Nostra. Nun kehrt er aus dem Zeugenschutz zurück, doch statt sich zu verstecken, kramt er Akten hervor, die Vaninas laufende Ermittlung gegen Salvatore Fratta gefährden könnten. „Wir müssen zusammenarbeiten“, sagt er. „Nein, wir müssen überleben“, kontert sie. Die Kamera rückt dicht an Buscemis Augen, und man sieht: Es ist nicht der Mörder, der sie erschauern lässt, sondern der Mann, der ihre Schultern einst zärtlich massierte.

Dazwischen der echte Skandal: Thomas Ruscica, 19 Jahre, Pfadfindergruppen-Betreuer, wurde mit gebrochenen Fingern in einem verlassenen Olivenöl-Lager gefunden. Die Spur führt zur banda dei carusi, einer verschworenen Clique, die Ministranten zu Kuriermädchen der Mafia umdrehte. Wer schweigt, bekommt neue Sportschuhe. Wer redet, landet im Hafenbecken. Vanina findet in Thomas’ Bibel einen Zettel mit Koordinaten – und damit die Verbindung zu Fratta, dem Paten, der seit Staffel eins wie ein Schatten über ihr steht.

So endet das noir-fest – und so geht es weiter

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Regisseur Davide Marengo lässt Catania explodieren, ohne eine einzige Faust wackeln zu lassen. Stattdessen flirren Helikopter-Lichter über den Dom, und ein einzelner Aktenordner segelt in die Nacht. Wer den Mörder packt? Keine Spoiler. Aber so viel sei verraten: Das letzte Bild zeigt Vanina, wie sie auf dem Flughafen steht, Ticket in der Hand – und das Funkgerät bleibt stumm. Spin-off? Staffel 3? Produktionsfirma Palomar schweigt. Die Quote wird entscheiden.

Alle vier Episoden der zweiten Staffel liegen auf Mediaset Infinity bereit. Die erste Staffel schaffte es dort auf Platz 3 der meistgestreamten italischen Serien – ganz ohne TIK-TOK-Hype, nur durch Mund-zu-Mund-Propaganda in Sizilien und darüber hinaus. Wer heute einschaltet, versteht warum: Kein Klischee-Krimi, sondern ein dunkler Liebesbrief an eine Stadt, die sich selbst nie ganz rächen kann.