Tuchel patzt mit b-elf gegen uruguay – white liefert drama aus dem kühlschrank
London – Ein Aufgebot von 35 Namen, aber kein Harry Kane, kein Jude Bellingham und trotzdem nur ein 1:1 gegen Uruguay. Thomas Tuchels Auftakt ins WM-Jahr roch nach Labor statt nach Leidenschaft. Die alte englische Schwäche kehrte zurück: viel Ball, wenig Biss. Und dann noch dieser Ben White: 82 Minuten Held, 90+1 Minuten Buhmann. Ausgerechnet der Mann, den der DFB-Coach noch vor vier Wochen nicht auf dem Zettel hatte.
White aus der kälte – direkt in die schusslinie
Die Wembley-Tribüne murmelte, als White vor dem Anpfiff sein Aufwärmshirt ablegte. Sein letztes Länderspiel datierte auf März 2022, seine Nominierung galt als Notlösung für den verletzten Jarell Quansah. Was folgte, war ein Krimi in zwei Akten. Erst der Kopfball zur Führung, dann das unbedachte Bein im Strafraum, Federico Valverde nagelte den Elfmeter unter die Latte. Die Null war futsch, Tuchel war blass.
Die Statistik brennt: England hatte die komplette Qualifikation ohne Gegentor überstanden, das erste Testspiel des Jahres zerkratzt die Weste. Die Daily Mail spottete: „White aus der Kälte – direkt ins Eisfach.“

Experiment trägt kein obst – drei debüts, null durchbruch
Tuchel nutzte das Spiel als Großversuch. James Garner (Everton) lief erstmals auf, James Trafford (Manchester City) hütete den Kasten, Noni Madueke musste nach 38 Minuten verletzt raus, Phil Foden folgte 18 Minuten später mit angeschlagenem Knöchel. Die Chancen? Ein Kopfball von Dominic Solanke (12.), ein Schlenzer von Cole Palmer (67.). Mehr nicht.
Uruguay dagegen spielte, als ginge es ums Finale. Darwin Núñez scheiterte zweimal an Trafford, Matías Vecino klopfte aus 25 Metern den Pfosten. Die Southgate-Ära war strukturiert, aber langsam. Tuchel wollte Tempo, bekam aber nur Tiki-Taka ohne Zielbahn.
Die Frage, die in den Gangways von Wembley umging, lautet: Was, wenn Kane oder Bellingham im Sommer ausfallen? Die Antwort lieferte White in 90 Minuten: Dann wird es eng.
