Türkische tv-serie am samstag: gifteinbruch, falsche väter und ein klinikwahn

Halit wankt mit dem Tropf in der Hand durchs Krankenzimmer und glaubt, seinen Todfeind zu sehen – während Zuschauer am Samstag (28. März) wieder zweieinhalb Stunden nonstop Türkei-Plot ertragen müssen. Canale 5 liefert ab 14.45 Uhr die Doppelfolgen Forbidden Fruit und La Forza di una Donna, in denen sich Gift, Gier und ein seniler Vater kreuzen.

Sahikas perfider plan endet im klinikwahn

Die eiskalte Sahika wollte Halit mit einem „Zufalls-Cocktail“ aus dem Weg räumen. Doch der Tycoon landet nur in der Notaufnahme – und dort schlägt sein Hirn Purzelbäume. Er schwört, den vermeintlichen Todfeind Nadir gesehen zu haben, jenen Mann, der ihn vor Jahren an die Polizei verkaufte. Die Ärzte sprechen von Medikamenten-Induktion, die Zuschauer von einem Cliffhanger, der bis 15.20 Uhr andauert.

Dann wird das Feld geräumt für Bahars Familiendrama. Raif erhofft sich mit Juwelen Gnade bei Ceyda, doch der Kredithai Cem schickt die Frauen stattdessen ins Altersheim – mit dem Auftrag, ein ominöses Paket abzuholen. Das Trio missversteht die Anweisung, liefert stattdessen Ceydas Vater Saadettin aus. Resultat: Schulden bleiben, Vater ist weg, Spannung steigt.

Streaming-zahlen explodieren – trotz drehbuch-schwächen

Streaming-zahlen explodieren – trotz drehbuch-schwächen

Mediaset Infinity verzeichnet für die türkischen Samstagsblöcke seit Januar ein Plus von 38 Prozent Abrufe. Die Mischung aus Overdose-Schnulze und Slapstick-Intrige scheint exakt auf den italienischen Nachmittag abgestimmt. Produktionskosten pro Folge: umgerechnet 180 000 Euro – ein Schnäppchen, wenn man bedenkt, dass Werbeblöcke zwischen den Episoden allein 3,2 Millionen Euro einbringen.

Die Fangemeinde spaltet sich. Auf Twitter kursiert der Hashtag #bastaturchia – genug von Türkei. Gleichzeitig klettert der YouTube-Kanal der Serie auf 1,4 Milliarden Views. Die Logik: Wer meckert, schaut trotzdem. Und genau darauf setzen die Programmchefs, wenn sie zwei Dramen aneinander reihen, die eigentlich nur eins gemeinsam haben: keine Eile, dafür jede Menge Escapismo made in Anatolien.

Für Halit geht es am Samstag ums nackte Überleben, für Bahar ums nackte Ernähren ihrer Kinder. Für das Publikum geht es ums nackte Vergnügen, sich in fremde Krisen zu flüchten – und dabei zu wissen, dass am Ende wieder jeder schuld ist, nur keiner sich verändert. Die Quoten werden steigen, die Kommentare auch. Und wer um 17.00 Uht die Fernbedienung sucht, findet sie garantiert in der Hand, die eben noch Popcorn umklammerte.