Luca cunti legt schlittschuhe an den nagel – und macht zsc-talente sofort besser
Erst der letzte Check, dann der Handschlag mit zwölfjährigen Zukunftsmessies: Luca Cunti, 36, hat am 2. März 2026 sein letztes Playoff-Viertelfinale bestritten – und ist seit Montag Chef für die U-12 der GCK Lions. Kein Abstecher, kein Sabbatjahr, kein «ich gucke mal». Direkt von der Kabine in die Trainerkabine, von der Bande auf die Bank, nur die Helmstütze fehlt.
Warum dieser schritt so früh kommt – und dennoch perfekt passt
Cunti war nie der Lauteste, aber immer der Schnellste mit dem Puck. In seiner letzten Saison lieferte er in der Swiss League noch 0,8 Scorerpunkte pro Spiel – Werte, die man sonst nur von Importspielern in der Blüte ihrer Jahre kennt. Die GCK-Verantwortlichen rechneten intern mit einem Verdienstplus durch seine Anwesenheit allein: 17 Prozent mehr Tore in Überzahl, weil die Jungen seinen Weiten zusehen wollten. Das war vorhersehbar, aber nicht verhandelbar. «Wer einmal Nationalteam läuft, will nicht mehr hinten stehen», sagte Sportchef Nico Ilic. Der Vertrag für die Saison 2025/26 war deshalb schon mit einer Optionsklausel für die U-12-Fabrik verknüpft.
Die Zahl, die ihm keine Ruhe ließ: 43 Länderspiele, 2013 WM-Silber, zwei Titel mit den ZSC Lions – und null Nachwuchs-Trophäen als Coach. Das will er ändern. «Ich habe gelernt, dass Tempo keine Frage der Beine ist, sondern der Köpfe», sagt Cunti. Er spricht von «Kleinbild-Scan» – dem Split-Sekunden, in dem ein Zwölfjähriger erkennt, ob er die Bande oder die Mitte nimmt. Diesen Scan will er programmieren, nicht drillen.

Was er den kids bietet – und was er selbst einfordert
Morgens um 6:45 Uhr steht er auf dem Kunsteis in Küsnacht, abends sitzt er mit Tablet und Stift vor den Powerplay-Sequenzen der letzten U-12-Partien. Keine 24 Stunden nach Karriereende. «Wenn ich mich selbst erwische, wie ich «äh» sage, gibt’s fünf Liegestütze. Die Jungen sollen spüren: Der Typ meint es ernst», lacht er, aber es klingt nicht wie ein Witz. Seine erste Maßnahme: ein «Puck-Fluency»-Test – 25 Sekunden Dauerpressing gegen vier Gegenspieler, danach sofort Konter. Kein Trainer in der Schweiz setzt das in dieser Altersklasse durch. Cunti schon.
Die Liga schaut neugierig. Der SC Bern hat intern bereits angefragt, ob Cunti auch Camps für deren U-13 geben könne. Die Antwort war ein freundliches «Erst einmal Zürich». Dort will er innerhalb von drei Jahren eine U-12-Truppe formen, die «nicht nur gewinnt, sondern spielt wie eine NL-Mannschaft im Miniaturformat». Ziel: mindestens zwei seiner Schützlinge sollen 2029 im Schweizer Kurz-Camp der U-17 stehen. «Dann weiß ich, dass die Transition funktioniert», sagt er. Keine leeren Phrasen, messbare KPIs.
Cunti selbst schläft wieder in seinem alten Kinderzimmer im Seefeld. Die Eltern wohnten nie weit vom Stadion. «Ich brauche keinen SUV, keinen Weitflug, nur das Kreuz und den Puck», sagt er. Und dann diesen Satz, der in der Kabine stehen bleibt: «Ich habe als Spieler nie den Stanley Cup gewonnen. Vielleicht gewinne ich ihn als Coach – nur heißt er dann U-12-Meister Schweiz.»
