Von 130 serie-a-spielen zur servierstation: bellusci packt aus

Giuseppe Bellusci bestreitet am Samstagnachmittag die Runde mit dem FC Monticelli in der Promozione, dann wechselt er die Stiefel gegen elegante Schuhe und serviert Gästen in einem Restaurant in den Marken. 130 Serie-A-Einsätze, Millionen-Gehälter, und jetzt klingelt die Kasse, weil jemand Tiramisu bestellt. Die Geschichte des einstigen Abwehr-Tanks von Catania und Palermo ist ein Lehrstück über kurze Karrieren und lange Schatten.

„Ich habe mich auf die falschen leute verlassen“

„Die Schuld trage nur ich“, sagt er am Telefon, während seine Kollegen Tische abräumen. „Ich habe Vertrauen in Berater gesetzt, die mich ausnahmen wie eine Geldkarte. Heute zahle ich die Zinsen.“ Noch vor zwei Jahren lief er für Ascoli in der Serie B auf, dann war Schluss. Kein Klub wollte den Verteidiger, der einst Higuain stoppte und Ronaldinho den Ball abnahm. Die Eltern brauchten Hilfe, also kehrte er nach Ancona zurück. „Das Geld hätte reichen können für ein ruhiges Leben. Aber ich dachte, es fließt ewig nach.“

Bellusci erzählt, wie er kurz vor dem Knall noch einen Häuserkomplex in seiner Heimatstadt plante. Die Baugenehmigung war durch, die Finanzierung auch – nur dass seine liquiden Mittel plötzlich nicht mehr liquide waren. „Statt Mieteinnahmen kam Mahnpost. Ich habe fast alles verkauft, nur um nicht pleite zu sein.“

Der trainer, der ihn aus der kabine warf

Der trainer, der ihn aus der kabine warf

Den Tiefpunkt erlebte er 2011 unter Diego Simeone in Catania. „Ich hatte Bandscheibenprobleme, er glaubte an Simulation. Eines Tages schmiss er mich raus, sagte, ich sei mental nicht bei der Sache.“ Die Folge: Monate außerhalb des Kaders, kein Gehalt mehr für Trainingseinheiten, die er nicht absolvieren durfte. „Da habe ich verstanden: Im Profifußball zählt nur der nächste Sieg. Der Rest ist Soundso.“

Trotzdem hält er an dem Sport fest, der ihn einst reich machte. Samstags spielt er auf schmuddeligen Platzanlagen, sonntags hängt er sich die Schürze um. „Ich brauche das Adrenalin. Wenn ich nicht käme, würde ich träumen, wieder im Stadion zu stehen – und aufwachen, weil ein Gast fragt, ob es noch Parmesan gibt.“

„Jungen spielern zeige ich die fallen“

„Jungen spielern zeige ich die fallen“

Sein neues Projekt ist ein Trainier-Studium. Dabei will er Talente nicht nur bei der Spielanlage schulen, sondern bei der Lebensplanung. „Ich erzähle ihnen von Steuerfachleuten, die plötzlich verschwinden, von Image-Rechten, die sich in Luft auflösen, von Freunden, die erst dann Freunde sind, wenn der Vertrag unterschrieben ist.“

Die italienische Medienlandschaft feiert derzeit Influencer-Kicker, die mit TikTok-Drehs mehr verdienen als mit Toren. Bellusci lacht bitter. „Die Jungs glauben, Follower seien eine Altersvorsorge. Ich war einst der Held von Catania, heute wischt mein Instagram-Profil keiner ab. Das Leben nach dem Ruhm beginnt um 8 Uhr morgens hinter dem Tresen.“

Am Ende des Gesprächs fragt er, ob wir die Rechnung begleichen könnten – er müsse wieder an die Arbeit. Die Rechnung beträgt 12 Euro für zwei Espresso. Bellusci zahlt mit einem Lächeln, das fast so breit ist wie früher nach einem Sieg gegen den AC Mailand. Nur dass es diesmal kein Schiri pfeift, sondern ein Kellner, der fragt: „Tisch 7 bestellt zwei Pasta al dente. Bist du fertig?“

Er nickt, zieht die Schürze glatt und verschwindet in Richtung Küche. Der frühere Seria-A-Profi, der Ronaldinho den Ball abnahm, nimmt jetzt Gästen die Teller weg. Und er ist stolz darauf, wieder auf eigenen Füßen zu stehen – auch wenn sie gerade nur zwischen Restaurant- und Fußballplatte wechseln.