Guerrieri stemmt bari: 3,5 millionen sehen, wie anwalt geheimnis löst
Ein Barmann wegen Mordes angeklagt, ein Anwalt mit Boxhandschuhen im Kofferraum – und ein Fall, der sich erst auflöst, wenn Guido Guerrieri die Stadt nachts durchquert. So lautet die Formel, mit der Rai 1 am Montagabend 22,4 % Marktanteil erkämpfte.
Die dritte Folge von „Guerrieri – La regola dell’equilibrio“ zog 3 506 000 Zuschauer an den Bildschirm, bestätigt ein Rai-Sprecher am Dienstagmorgen. Die Buchverfilmung, in der Alessandro Gassmann einen geschiedenen Strafverteidiger mimt, der zwischen Boxring und Seelenlage pendelt, ist damit die erfolgreichste Serie des laufenden Jahres im italienischen Free-TV.

Die nacht, in der bari die justiz neu wogt
Im Mittelpunkt der Episode steht Angelo, Barkeeper in der Altstadt, der einen Gast tot auf dem Tresen findet. Die Beweise scheinen lückenlos: Fingerabdrücke, DNA, eine Zeugin. Doch Guerrieri spürt, dass hinter der scheinbar klaren Schuld eine Kette aus Erpressung, Glücksspielschulden und verdeckten Polizeiermittlungen steckt. Die Kamera folgt ihm durch Gassen, in denen das Meer rauscht und Neonlichter wie Schwerter auf Pflaster fallen.
Autor Gianrico Carofiglio, selbst jahrelang Richter in Bari, liefert dafür das literarische Fundament: Seine Romane „Ragionevoli dubbi“, „Le perfezioni provvisorie“ und eben „La regola dell’equilibrio“ bilden die Staffel. Regisseur Francesco Micciché lässt die Dialoge so knistern, dass selbst juristische Details wie die Verwertbarkeit eines illegal abgehörten Gesprächs wie ein Thriller klingen.
Die Quote übertrifft damit sogar die Auftaktsendung um zwei Prozentpunkte. RaiPlay verzeichnet parallel 340 000 Streams – ein Wert, den sonst nur Champions-League-Spiele erreichen. Die finalen zwei Folgen laufen am 30. März und 6. April, doch schon jetzt sichert das Format Rai 1 den Prestigeplatz im zweiten Halbjahr: eine zweite Staffel ist beschlossene Sache.
Für Gassmann, 59, ist die Rolle des verschwiegenen Boxers mit juristischem Punch längst zur Visitenkarte geworden. „Ich brauche kein Fitnessstudio mehr“, scherzte er am Set, „ich laufe einfach jede Nacht durch Bari, bis der Fall sich löst.“ Die Stadt selbst wird zur Co-Star: Zwischen Swabinger Kalkstein und Hafenkränen entsteht ein Film noir im Tageslicht, der Italienern offenbar genau das bietet, was sie seit Jahren vermissten: Helden, die nicht länger laut sind, sondern lange schweigen und dann zustoßen.
Die Botschaft ist klar: Wer glaubt, die Wahrheit zu kennen, hat nur die Oberfläche gekratzt. Und wer Montagabend vor dem Fernseher saß, weiß nun, dass 3,5 Millionen Menschen gleichzeitig den Atem anhielten – bis der Boxanwalt die letzte Karte aufdeckte und die Quote genau wie das Urteil kippte.
