Georg hackl verabschiedet sich nach 45 jahren: die schulter schmerzt, der abschied nicht
Georg Hackl sitzt in der Sonne, die Schulter still in der Schlinge – und lacht. 45 Winter lang hat er sich auf Schienen durch die Eisröhren der Welt gejagt, drei olympisches Gold, zwei Mal Silber, eine Dynastie aus Eis und Stahl. Jetzt, beim Weltcup-Finale in Altenberg, ist Schluss. Der 59-Jährige tritt ab. Kein Drama, keine Träne, nur ein bisschen Schmerz und viel Stolz.
Die heimbahn bleibt trümmer, das herz schlägt weiter
Was ihm die Schmerzen macht, ist nicht die ausgekugelte Schulter vom Sturz in Cortina – das ist nur Gewebe, heilt wieder. Was wirklich nagt, ist der Blick nach Hause. Die Königssee-Bahn, einst seine Spielwiese, liegt seit der Hochwasser-Katastrophe 2021 noch immer lahm. „Die Italiener bauen in zwölf Monaten eine komplette Olympia-Bahn neu. Deutschland schafft es in fünf Jahren nicht, zwei Kurven zu flicken“, spuckt er aus. Fünf Jahre. Das ist bei Hackl exakt ein Zehntel seiner Karriere.
Er spricht das aus, was viele denken, aber keiner mit seiner Stimme sagen darf. Denn seine Stimme ist Markenzeichen: rau, direkt, bayerisch. Wenn Hackl Schorsch redet, zuckt selbst der BSD-Chef zusammen. Thomas Schwab nennt ihn „den Größten, wenn nicht den Größten überhaupt“ und hofft trotzdem still, dass der Rentner irgendwann wieder vorbeischneit, wenn die Bahn endlich steht. Eine Art ewige Rückkehr, aber ohne Startnummer.

Österreich statt deutschland – und ein saisonpass statt olympia
Seit 2022 arbeitet Hackl für den österreichischen Verband. Dort herrscht, nach eigenen Worten, „gute Stimmung, alle ziehen an einem Strang“. Kein bürokratisches Gerenne, keine Endlos-Gremien. Stattdessen Skiwelt Amadé, 760 Pistenkilometer, und ein Saisonpass, den er sich im nächsten Winter „rentieren“ will. Noch kann er den Skistock nicht richtig halten – „macht nix, ich bin ja selbst Stock“. Ironie als Schmerztherapie.
Die Zeit in Österreich sei „nochmal ein richtig schöner Schlussakkord“ gewesen. Dort hat er Nachwuchsbobpiloten und Rodler betreut, Lehrgänge gegeben, Geschichten erzählt. Die jungen Athleten nennen ihn schlicht „Coach“, nicht „Mister Hackl“. Das gefällt ihm. Er will nicht als lebende Legende vereinnahmt werden, sondern als Coach, der mal eben eine Schulter verrenkt hat.
Die zahlen, die bleiben – und die, die fehlen
Seine Medaillen bringt er nicht zur Schau. „Die liegen in a Schachtl, irgendwo im Schrank“, sagt er. Stattdessen zählt er Trainingslager, Flugmeilen, „Tobias und Tobias und Natalie und Felix“, die Super-Generation, die unter seiner Führung fünf olympische Goldsätze in Folge holte. „Das kann man nicht toppen“, sagt er und meint damit nicht sich, sondern die Gruppe. Gemeinschaft vor Einzelheld. Das ist sein Credo, seit er 1978 als 13-Jähriger mit einem selbst gebauten Schlitten in Berchtesgaden losfuhr.
Was bleibt? Eine Schulter, die irgendwann wieder rund läuft. Ein Saisonpass, der sich rechnen muss. Und eine Bahn im eigenen Land, die vielleicht nie wieder läuft. „Aber das ist nicht mein Problem mehr“, sagt er und streckt die Beine in die Sonne. 45 Jahre Winter sind genug. Jetzt kommt der Frühaling – und ein bisschen mehr Zeit für Schorsch.
