Colombianische tv-elite zerbricht: sportstars orrego und peña wegen sexueller übergriffe angeklagt

Ricardo Orrego, das Gesicht des Sports bei Noticias Caracol, soll eine Kollegin gegen eine Wand gedrückt und ihr Zunge aufgedrängt haben – „Hier gibt keine Kameras“, zitiert sie ihn. Drei Blocks weiter, bei RCN, wirft man Fernando Peña vor, mit Faustschlägen auf Monitore seine Redaktion in Todesangst zu versetzen. Die beiden mächtigsten Sportjournalisten Kolumbiens stehen jetzt unter Anklage, und ihre Sender ducken sich hinter interne Ermittlungen, während das Arbeitsministerium die Sturmleitern hochklappt.

Der vorwurf: küsse gegen karrieren, drohungen gegen schweigen

Die Zeugin, die sich nur Sara nennt, erzählt, wie Orrego sie 2023 in einem Flur vor den Toiletten von Blu Radio abfing. Sekunden später spürte sie seine Hand auf ihrem Nacken, seinen Atem im Gesicht. „Er sagte: ‚Du bist zu hübsch, um so abweisend zu sein. Gib mir einen Kuss – richtig, mit Zunge.‘ Dann biss er mir auf die Lippe.“ Sie wehrte sich, konnte sich losreißen, als eine Kollegin dazukam. Doch der Schock blieb. „Wenn ich spreche, bin ich arbeitslos“, hat sie jahrelang gedacht.

Bei RCN schildern ehemalige Mitarbeiterinnen eine Atmosphäre aus purem Terror. Peña habe täglich Tische und Computer zertrümmert, junge Reporterinnen mit Obszönitäten überschüttet und sie schließlich in die Ecke gedrängt. „Wir wussten nie, ob das nächste Mal unser Gesicht dran glauben muss“, sagt eine Quelle. Die Redaktion nannte ihn intern „El Temblor“ – das Beben.

Staatliche prüfer durchsuchen studios – sender ducken sich

Staatliche prüfer durchsuchen studios – sender ducken sich

Caracol veröffentlichte ein vages Statement, man habe „interne Protokolle aktiviert“. Doch das reicht nicht mehr. Arbeitsminister Alberto Giraldo ordnete sofortige Inspektionen an. Beamte beschlagnahmen Computer, durchleuchten Personalakten, verhören Mitarbeiterinnen getrennt. Erste Ergebnisse sollen in 15 Tagen vorliegen. Sollten sich die Vorwürfe erhärten, drohen den Sendern Millionenbußen und strafrechtliche Ermittlungen wegen systematischer Arbeitsplatzgefährdung.

Parallel fliegen weitere Namen durchs Netz. Prominente Moderatorinnen wie Mónica Rodríguez berichten, dass „dieses Schweigen Jahrzehnte lang Kolumbiens Medienlandschaft durchsetzt“. Die Hashtags #NoMasAcosoCol und #FueraOrrego trendieren seit 36 Stunden ununterbrochen. Die Werbekunden ziehen erste Kampagnen zurück – ein Schaden von geschätzt 3,2 Millionen Euro binnen zwei Tagen.

Jetzt zählt nur noch die geschwindigkeit der justiz

Jetzt zählt nur noch die geschwindigkeit der justiz

Die Anwältin der mutmaßlichen Opfer, Laura Vargas, kündigt Sammelklagen an. „Wir werden nicht nur die Täter, sondern auch die Manager zur Rechenschaft ziehen, die die Täter decken“, sagt sie. Senderchefs fragen sich im Stillen, ob sie ihre „Talent-Strategien“ gegen Schweigegeld und Karriereversprechen noch lange vertuschen können. Denn die nächste Bombe tickt bereits: In Whatsapp-Gruppen kursiert eine Excel-Liste mit 17 weiteren Namen – darunter Produzenten, Regisseure, Caster. Die Angst vor der eigenen Redaktion ist jetzt größer als die Angst vor dem Ratings-Crash.

Kolumbiens Sportjournalismus steht am Abgrund. Wenn schon die Gesichter, die Millionen Zuschauer jahrelang für unantastbar hielten, stürzen können, wird klar: Niemand ist zu groß für die Handschellen. Der Sendeplan für die kommende Copa América ist bereits durcheinandergebracht – und die Werbeblöcke zwischen den Halbzeiten werden künftig wohl nicht mehr nur über Tore sprechen, sondern über Handschellen statt Mikrofone.