Schuster kehrt zurück: freiburgs coach erklärt den verspäteten sieg
Julian Schuster spürte den Luftzug der Millerntor-Katakomben noch im Nacken, als er die Tür zur Pressekabine aufriss. 21 Minuten nach Abpfiff, 21 Minuten zu spät. „Entschuldigung“, sagte der SC-Freiburg-Trainer und lächelte wie ein Schuljunge, der den Unterricht verschlafen hat. Dahinter lauerte schon der nächste Termindruck: Flugslot gebucht, Mannschaft in die Maschine, Trainer kommt später. Der 2:1-Auswärtssieg gegen den FC St. Pauli war versiegelt, die Story aber erst halb erzählt.
Warum schuster allein zurückblieb
Die Jungs mussten weg, ich bleibe, lautete die Devise. Morgen wartet in Düsseldorf die bundesweite Trainer-tagung, da zählt Pünktlichkeit. Also steckte Schuster die Mikroporte in die Jackentasche, schickte sein Team zum Airport und kehrte in den Katakomben zurück. „Hier nochmal so zurückzukommen, zeigt die Haltung der Jungs“, sagte er und meinte damit nicht nur sich selbst, sondern den gesamten Klub. In Zeiten, in denen Pressekonferenzen per Zoom abgefrühstückt werden, wirkt ein persönlicher U-Turn wie ein Handschlag aus vergangenen Jahrzehnten.
St. Paulis Coach Alexander Blessin hatte ihn schon in Abwesenheit beglückwünscht – ein verbaler Pokal, der nun physisch überreicht wurde. Schuster nahm ihn entgegen, bedankte sich bei den Gastgebern und schickte einen Wunsch hinterher: „Ich hoffe, dass ich nächstes Jahr wieder hier ein Auswärtsspiel bestreiten darf.“ Keine Standard-Floskel, sondern ein Seufzer des Respekts. Denn der Millerntor-Rasen hat sich in dieser Saison zur Falle für Top-Teams gemausert. Wer hier gewinnt, darf sich auf die Schulter klopfen lassen.

Der späte sieg und die moral der breisgauer
0:1 zur Pause, dann ein Doppelpack binnen sieben Minuten. Wer die Statistik kennt, weiß: Freiburg ist dieses Jahr die Comeback-Maschine der Liga. Fünf Rückstandspiele gedreht, drei davon auswärts. Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Kondition plus Kopf. Schuster betonte, dass er keine Halbzeit-Rede geprügelt habe, sondern „nur“ die Räume gezeigt habe, „die St. Pauli uns gelassen hat“. Eine Einsicht, die mehr über die taktische Reife des Teams aussagt als jedes Motivationsgebrüll.
Danach sprintete er zum Taxi, Richtung Airport, zehn Minuten später hätte er den Flug verpasst. Die Reporter standen noch mit offenen Mikrofonen da, einige lachten über den unplanmäßigen Epilog. Es war ein Abend, der bewies: Punkte holen kann jeder, Stil beweist man erst nach dem Abpfiff. Und manchmal ist der längste Weg zurück in den Presseraum der kürzeste zur eigenen Credibility.
