Union-sensation: marie-louise eta bricht fußball-dogmen

Berlin – Der deutsche Fußball erlebt eine historische Verschiebung. Marie-Louise Eta, ehemalige Nationalspielerin und nunmehr Trainerin von Union Berlin, hat in den letzten Wochen nicht nur sportliche Erfolge gefeiert, sondern auch eine Debatte ausgelöst, die weit über die Bundesliga hinausreicht. Im exklusiven Gespräch mit rbb|24 offenbart Eta, wie sie mit dem immensen Medienrummel, den Hasskommentaren und dem Druck umgeht, der auf ihr lastet.

Von der spielerin zur cheftrainerin: ein unerwarteter weg

Eta selbst bezeichnet ihre aktuelle Rolle als eine „Sonderrolle, die ich nie haben wollte“. Ihr Weg in die Welt des Herrenfußballs begann nicht als Plan, sondern als logische Konsequenz ihrer Leidenschaft für den Sport. Nach Stationen als Spielerin bei renommierten Vereinen wie dem Hamburger SV, Werder Bremen und Turbine Potsdam, wo sie Deutsche Meisterin und Champions-League-Siegerin wurde, sammelte sie erste Erfahrungen als Trainerin in der Jugendabteilung von Werder Bremen. „Ich habe da schnell gemerkt, dass mir das Spaß macht“, so Eta.

Der Sprung zu Union Berlin im Jahr 2023 war ein Wendepunkt. Die Übernahme der Cheftrainerposition markierte nicht nur eine persönliche Leistung, sondern auch einen Meilenstein für den Frauenfußball in Deutschland. „Es war keine leichte Entscheidung“, gesteht Eta im Gespräch, „weil mir die Rolle in der U19 sehr gefallen hat.“

Medienrummel und hasskommentare: der preis des erfolgs

Medienrummel und hasskommentare: der preis des erfolgs

Der plötzliche Fokus der internationalen Medien auf ihre Person war überwältigend. Während die positiven Rückmeldungen und die Unterstützung vieler Menschen ihr Kraft gaben, musste Eta sich auch mit einem Ansturm von Hasskommentaren auseinandersetzen. „Ich lese meistens erst gar keine Kommentare“, erklärt sie pragmatisch. „Solche Kommentare sagen mehr über den Menschen aus, der ihn verfasst, als über mich.“

Die Erfahrungen mit Sexismus im Fußball sind bittere Realität. Eta thematisiert sie offen und mahnt zur Sensibilisierung. Die Welle der Unterstützung, insbesondere von jungen Mädchen und Frauen, zeigt aber auch, dass sie mit ihrem Engagement einen wichtigen Beitrag zur Veränderung leistet.

Die zukunft: mehr als nur fußball

Die zukunft: mehr als nur fußball

Die Rettung der Union-Männer vor dem Abstieg und der damit verbundene Klassenverbleib waren sportliche Höhepunkte. Doch Eta blickt weiter. „Mir geht es um Fußball und die Zusammenarbeit mit Menschen“, betont sie. „Das macht mir so unfassbar viel Freude.“

Nach dem Ende ihrer Interimszeit bei den Männern kehrt Eta nun zurück zu den Frauen und wird dort versuchen, eine neue Ära einzuleiten. Die Geschichte von Marie-Louise Eta ist mehr als nur die eines erfolgreichen Trainers – sie ist ein Symbol für den Kampf gegen Vorurteile und ein Beweis dafür, dass Frauen im Fußball alles erreichen können. Der deutsche Fußball ist auf dem Weg, und Eta ist dabei, die Richtung vorzugeben.