Undav zieht den daumen nach oben – und beschimpft porto als zeitdiebe

1:2 in der Algarve, 28 Jahre Warten auf ein Viertelfinale – und trotzdem grinst Deniz Undav wie ein Mann, der noch nicht bezahlt hat. „Die Chance lebt. Porto ist nicht besser als wir“, sagt der Stuttgarter Torschütze, nachdem sein Treffer zum Ehrentreffer die Schwaben kurz vor der Pause wieder ins Spiel zurückhievte. Die Rechnung klingt einfach: Wer zwei Tore macht, fliegt vor dem eigenen Publikum in die Runde der besten Acht. Die Frage ist nur: Wer schießt sie, wenn Terem Moffi und Rodrigo Mora schon wieder wegsprinten?

Einzelaktionen als brandbeschleuniger

21. Minute: Moffi nutzt eine Lücke, die größer ist als der Atlantik. Sechs Minuten später schlägt Mora zu – beide Male folgt ein Stuttgarter Kopf senkrecht nach oben, statt diagonal abzurutschen. „Individuelle Fehler“, sagt Undav knapp und wischt sich die Kritik am Schiri erst einmal beiseite. „Auf diesem Niveau wirst du dafür exekutiert.“ Die Statistik bestätigt ihn: Seit 1998 wartet der VfB auf ein Viertelfinale in einem europäischen Wettbewerb, und genau diese Marke schwebt jetzt wieder wie ein Damokles-Schwert über der Mercedes-Benz-Arena.

Doch da ist noch der zweite Akt dieser Nacht, der außerhalb des Spielfelds stattfindet. Undav zählt lautstag die Sekunden, die Porto mit sich herumträgt. „37 Mal lag ihr Linksverteidiger am Boden – immer mit derselben Grimasse“, wettert der Nationalstürmer. „Der Schiri greift erst in Minute 80 durch. Wir haben es ihm hundertmal gesagt.“ Klingt nach Jammern? Vielleicht. Aber es klingt auch nach einem Mann, der weiß, dass kleine Theaterstücke große Ergebnisse verändern können.

Mit offenem visier ins rückspiel

Mit offenem visier ins rückspiel

Angelo Stiller schließt sich der Rhetorik an, zieht aber die Kneifzange weg. „Wir wollen keine großen Töne spucken, das ist immer ein Fehler“, sagt der Mittelfeld-Motor und lacht dann doch: „Aber wir werden alles geben.“ Das klingt nach Schulhof-Pathos, ist aber ein Versprechen an die 60.000, die nächsten Donnerstag die Arena in einen Kessel verwandeln werden. Porto reist mit zwei Toren Vorsprung, aber auch mit der Last, in Deutschland schon 14 Mal leer ausgegangen zu sein.

Die Zahlen? Brutal. Die Moral? Intakt. Und die Mission? Klar: „Wir müssen schneller reagieren, schneller denken, schneller treffen“, fasst Undav zusammen. Drei Tore in 90 Minuten – keine Zauberformel, sondern reine Mathematik. Wer zweimal ins Schwarze trifft, darf am 20. März noch in Rom, London oder Mailand landen. Wer nicht trifft, darf wieder 28 Jahre auf sein nächstes Viertelfinale warten. Die Uhr tickt. Porto tickt anders. Der VfB will zeigen, dass er die Lautstärke ebenso weit aufdrehen kann wie die Torausbeute.