Undav schnappt nach nagelsmann-kritik: „er braucht nicht mit mir zu reden“
Deniz Undav hat genug. 17 Tore, 3 Vorlagen, beste Quote aller deutschen Feldspieler – und trotzdem redet Julian Nagelsmann nur von einer „Baustelle“ im Angriff. Die Antwort des VfB-Stürmers kam am Freitag knapp wie ein Boxtreffer: „Ich habe mit dem Bundestrainer seit der Winterpause kein Gespräch gehabt. Er braucht auch nicht mit mir zu reden.“
Hansi müller legt nach: „das ist der beste deutsche, punkt“
Was klingt wie ein Bruch, ist in Wahrheit ein K.o. Der 29-Jährige stellt sich vor die Kameras und liefert den Satz mit, dem sich Nagelsmann künftig wird erklären müssen. Denn wer die Zahlen studiert, findet keinen einzigen deutschen Akteur, der in dieser Saison öfter direkt an Treffern beteiligt war als Undav – nicht Musiala, nicht Wirtz, nicht Havertz.
Die Szene in Stuttgart nimmt ihren Lauf. Hansi Müller, 68, Europapokalsieger von 1980 und 216-mal in Rot-Weiß aufgelaufen, reagiert auf die Länderspielpause mit dem Gestus eines Mannes, der weiß, dass man bei WM-Turnieren Tore braucht, nicht Sympathien. „Ich weiß nicht, was er noch machen muss“, sagt Müller zur Bild. „Ohne die Verletzung in der Hinrunde hätte er ja sogar noch bessere Zahlen.“
Die Verletzung – ein Riss im Fasergewebe, vier Wochen Ausfall, danach drei Tore in drei Spielen. Müller zieht die Schultern hoch: „Ihn nicht mitzunehmen, fände ich absolut falsch, das könnte ich nicht nachvollziehen.“

Die quote, die nagelsmann vergiftet
Die Bundesliga kennt zurzeit keinen effizienteren deutschen Torjäger. 14 Treffer, 3 Assists, alles in 19 Einsätzen, dazu ein Elfmeter-Kick, der gegen Heidenhoffen letzte Woche erst den Sieg sicherte. Vergleicht man die Minuten pro Torbeteiligung, liegt Undav vor Harry Kane – und das, obwohl der Bayern-Stürker mit Musiala, Sané und Olise drei Spieler hinter sich weiß, die laufend Tore vorbereiten.
Doch der Bundestrainer schwieg. Undav bekam für den März-Kader erneut keine Einladung, muserte beim 3:0 gegen Köln und wartete ab, bis die Frage nach Nagelsmann kam. Dann platzierte er seinen Satz so trocken wie einen strafraumnahen Flachschuss. Kein Wutausbruch, kein Appell – nur die Feststellung, dass Gespräche überflüssig seien, wenn Leistung offenkundig ignoriert wird.
Die stimme aus der kabine: „er macht uns besser, jeden tag“
VfB-Kapital Michael Frey schmunzelt, als er die Pressefahne senkt. „Deniz ist unser Ruhekapitän. Er schreit nicht, er zeigt es auf dem Platz.“ Trainer Sebastian Hoeneß nennt Undav „eine Maschine mit Auge fürs Detail“, Sportsvorstand Fabian Wohlgemuth verweist auf die Auswirkung auf die jüngeren Kollegen: „Unsere U21-Stürmer schauen sich seine Bewegungsabläufe auf Video an, als wäre es Netflix.“
Die Ironie: Gerade Hoeneß war es, der Undav vor zwei Jahren aus Bremen holte, als viele Experten einen Zweitliga-Topscorer sahen. Heute winkt dem Coach ein Marktwert von 30 Millionen Euro, und er weiß, dass der Stürmer auch Bankdrücker sein kann. „Er kommt, macht sein Tor, verlässt den Rasen – kein Theater, keine Tränen.“
Die wm-karte, die jetzt nagelsmann zieht
Nordamerika rückt näher, 48 Stunden nach der Nations-League-Pause muss der Bundestrainer seinen Kader nominieren. Die Konkurrenz um die offensiven Plätze ist enorm: Havertz als Pseudoneuner, Fullkrug mit Blick auf die Retorte Turniererfahrung, Moukoko und Beier als Next-Gen-Hoffnungen. Aber keiner bringt die Zahlen mit, die Undav vorweist.
Müller hat schon vor Jahren aufgehört, sich mit Nationaltrainern anzulegen. Doch diesmal ist der Zorn spürbar. „Es sollte keine Diskussionen geben“, sagt er und schlägt dabei die Hand auf den Tisch, sodass das Kaffeegeschirr erzittert. „Er ist der Beste, da muss man nicht rätseln.“
Undav selbst trainiert weiter, sprintt nach dem Abschluss noch 30 Meter, um sich für die Nachspielzeit zu wappnen. Wenn er fragt, wann seine Nominierung kommt, lautet die einzige Antwort: „Gar nicht, wenn Nagelsmann so weitermacht.“ Die Tore aber werden weiter fallen – mit oder ohne Trikot mit Adler. Und je länger der Bundestrainer wartet, desto lauter wird der Chor, der ihm beim WM-Scheitern vorwerfen wird, den besten deutschen Torjäger zuhause gelassen zu haben.
