Undav schlägt leipzig weg – stuttgart klettert auf champions-league-thron
Deniz Undav läuft, sieht, trifft – und Stuttgart träumt. Mit seinem 16. Liga-Tor schoss der Angreifer RB Leipzig aus dem Top-Four-Kreis und katapultierte den VfB auf Rang drei. Die Arena bebte, die Uhr blieb beim 1:0 stehen, und die Nachspielzeit hätte beinahe noch gezittert: Pfosten Willi Orban, Ausbruch der Kurve.
56. Minute, 36 Meter Torwart-Fehler. Maarten Vandevoordt will kurz anspielen, trifft stattdessen Chris Führichs Knöchel. Ein Satz, ein Kontakt, Undav nimmt Maß, rollt ein. Das war keine Kraft, das war Kühle – 16 Saisontreffer, nur Harry Kane und Serhou Guirassy stehen noch vor ihm. Stuttgart hat jetzt drei Punkte Vorsprung auf Leipzig, acht Spieltage sind übrig, die Champions-League-Musik wird lauter.
Hoeneß verlangt abliefern – seine elf liefert taktik statt tiki-taka
Sebastian Hoeneß hatte vor dem Spiel gewarnt: „Wir müssen abliefern.“ Seine Jungs lieferten Interpretation. Kein Besitz-Fußball, sondern Kontroll-Fußball. Die Leipziger Außen Diomande und Nusa liefen sich fest, weil Jaquez und Führich frühsprinten. RB fand keine Lücke zwischen den Linien, Stuttgart fand die Lücke in deren Kopf. Der Plan ging auf, weil die Schwaben zweikampfstark blieben und nur einmal wirklich zittern mussten: Nübel gegen Seiwald, Pfosten, Atemnot, dann kam der Gegenschlag.
Die Generalprobe für Porto ist damit bestanden. Donnerstag steht das Rückspiel in der Europa League an, 1:2-Rückstand, 28 Jahre seit dem letzten Viertelfinale. Stuttgart will Geschichte schreiben, nicht nur lesen.

Leipzigs problem ist kein einzelfehler – es ist ein muster
Die Nullnummer in Stuttgart ist symptomatisch. RB kreiert Tempo, aber keine Tore – schon fünftes Auswärtsspiel in Folge ohne Treffer. Marco Rose wechselte Gruda für Banzuzi, doch der Plan blieb blass. Ohne Xavi Simons fehlt der letzte Pass, ohne Loïs Openda die letzte Bewegung. Vandevoordts Fehler ist auffällig, doch die Statistik schreit lauter: Leipzig hat in den letzten fünf Partien nur drei Punkte geholt, die Lücke zum VfB wächst.
In der Tabelle brennt die Glut. Stuttgart hat 46 Zähler, Leipzig 43. Bayern führt mit 56, Dortmund folgt mit 50. Die Saison ist kein Sprint mehr, sie ist ein Boxkampf in der Nachspielzeit – und Stuttgart hat gerade die rechte Schwingerhand gehoben.
Die Kurve sang nach Abpfiff „Wir sind wieder da!“ – gemeint ist die Königsklasse, gemeint ist das alte Selbstbewusstsein. Undav stakste nur lachend in die Kabine, die Arme wie Flügel. Wenn er so weitermacht, fliegt der VfB nicht nur nach Porto, sondern direkt ins Champions-League-Achtelfinale. Die Zahlen sprechen für sich: 16 Tore, vier Assists, ein Wechselbad aus Eis und Feuer. Stuttgart ist heiß – und Leipzig muss sich fragen, ob die Kälte nicht doch früher kommt.
