Undav rettet dfb-elf mit spätem treffer – doch diese note versetzt fans in rage

Stuttgart – 88. Minute, Publikum erstickt fast im Kollektiv, weil der Ball nicht reinwill. Dann knallt Deniz Undav die Kugel zur Decke, und die SchwabenArena explodiert. 2:1 gegen Ghana, Testspiel gewonnen, WM-Ticket noch lange nicht in der Tasche. Denn zwischen Jubel und Erleichterung klafft eine Wahrheit, die Bundestrainer Julian Nagelsmann nicht ignorieren kann: Die Startelf zog sich bis auf Pascal Groß und Florian Wirtz durch, und einige Akteure spielten sich geradezu aus dem Kader.

Die späte erlösung trügt über schwächen hinweg

Was in der Schlussphase wie Befreiung wirkte, war 83 Minuten lang ein müder Auftritt gegen ein Ghana, das in der FIFA-Rangliste 24 Plätze hinter Deutschland liegt. Die Defensive stand zwar stabiler als noch beim 3:3 in Basel, doch als Josha Vagnoman den kurzen Dämpfer verpasste, staubte Stephan Ambrosius zum 1:1 ab. Ein Gegentor, das Alexander Nübel – erstmals nach 64 Minuten gefordert – nicht mehr verhindern konnte. Die Note 3 für den Stuttgarter Torwart ist noch milde; er war Statist in eigener Show.

Joshua Kimmich versuchte, die Führung zu übernehmen, rutschte aber in eine Rolle, die ihm kaum liegt. Als Sechser vor der Abwehr fehlte ihm die Übersicht, sein Fernschuss segelte ins Nirgendwo. Note 4. Noch dicker kam Angelo Stiller weg – eigentlich gar nicht nominiert, durfte er zweimal von Beginn an ran. Gegen Ghana war er jedoch kaum erkennbar, gewann nur ein Zweikampf von sieben. Die WM-Uhr tickt für ihn bereits.

Einwechslungen zeigen den weg

Einwechslungen zeigen den weg

Während die etablierten Kräfte strauchelten, lieferten gerade die Joker die Antworten. Lennart Karl kam, zauberte, ließ drei Gegenspieler stehen und hätte fast erhöht. Note 2, obwohl er nur eine Halbzeit spielte. David Raum schlug einen Freistoß, der um Zentimeter vorbeizischte – seine Ruhe macht die Linksverteidiger-Position zur Chefsache. Und eben Undav, der mit seinem Kopfballtor die Kurve kratzte, bevor sie ins Abseits driftet.

Doch die Kehrseite bleibt bitter: Nick Woltemade vergab früh die Riesenchance, später knallte er nur die Latte. Serge Gnabry blieb bei 25 Ballkontakten unsichtbar. Und Kai Havertz zog zwar den Foulelfmeter zum 1:0, wirkte ansonsten aber wie ein Fremdkörper auf der rechten Außenbahn. Die WM-Nominierungen sind keine Wohltat mehr, sondern harte Arithmetik.

Nagelsmann muss sich entscheiden

Nagelsmann muss sich entscheiden

Die Zahlen sind eindeutig: Elf Feldspieler, die mehr als 60 Minuten auf dem Rasen standen, schafften gerade mal fünf Torschüsse aus dem Spiel. Ghana kam trotz tieferer Defensive auf denselben Wert. Die DFB-Elf gewann 58 Prozent der Zweikämpfe – ein Wert, der gegen Frankreich oder Argentinien nicht reicht. Und so bleibt die Erkenntnis: Wer in Stuttgart nicht glänzt, fliegt in Katar womöglich komplett raus.

Am Dienstag reist die Mannschaft nach Newcastle, wo das letzte Testlabor vor der Endabreise wartet. Für Vagnoman dürfte der Einsatz dort schon verpflichtend sein, sonst rutscht seine Note 5 in die nächste Runde. Für Undav hingegen könnte der späte Treffer der Startschuss sein – nicht nur für Tore, sondern für einen Platz im Flieger Richtung Katar. Die Uhr tickt, und Nagelsmann hat keine Zeit mehr für weiche Übergänge.