Undav entzaubert augsburg: vfb fegt mit wut-frische über fca hinweg
Klaus Schäfer, TSV Pelkum Sportwelt – Donnerstagabend, 30.660 Menschen glaubten kurz, sie säßen in einem Kraftraum. Denn wer da in Augsburg auflief, war kein Europapokal-Geschundener, sondern ein Schwaben-Kollektiv, das die 0:2-Pleite in Porto noch im Knie trug und sie sofort in Tore umwandelte. 5:2 beim FC Augsburg, die Europa-League-Fliege verspeist, die Bundesliga geküsst.
Deniz undav spielt wie auf autopilot
Zwölfter Europa-League-Einsatz, zwölfter Liga-Sieg danach – diese Zahl ist kein Druckfehler, sondern Sebastian Hoeneß’ Antwort auf alle Fragen nach Belastung. Seine Mannschaft schoss drei Tore, ehe die Uhr 32 Minuten zeigte, und Deniz Undav war wieder der erste Sprengstoffexperte. Doppelpack, Assist, 18 Treffer in 21 Partien – die 29-Jährige Torfabrik hat seine letztjährige Bestmarke bereits Mitte März egalisiert, obwohl er Saisonstart verletzt verpasste.
„Ich mache gerade einiges richtig“, sagt er, als hätte er die Formel für kaltes Plasma entdeckt. Die Wahrheit ist simpler: Er läuft wie ein Programm, das Bugs ausmerzt, bevor sie sichtbar werden. Nach Rieders Anschlusstor zum 1:3 schlenzt er 61 Sekunden später den 4:1. Kade verkürzt auf 2:4? Demirovic nagelt 83. Minute den 5:2-Endstand. Antwort und Gegen-Antwort, ein Ping-Pong, bei dem nur der VfB den Ball behält.

Linke bahn flasht zurück in 2023
Chris Führich und Maximilian Mittelstädt betreiben auf der linken Seite ein Zeitportal. Ihre Kombinationen erinnern an die Vorjahressaison, als Stuttgart noch Silber schnupperte. Führich liefert zwei Pre-Assists, Mittelstädt eine Torvorlage, beide wurden erst gestern von Nagelsmann nachnominiert – keine Freundschaftsspiel-Einladung, sondern eine späte Ehrung für Dauerbrenner. Wer so spielt, braucht keine Sympathiepunkte, nur Laufschuhe.
Angelo Stiller dirigiert davor, danach, dazwischen. 12000 Meter Laufleistung, 92 Prozent Passquote, ein Tor, das er aus der Distanz einleitet. „Wir haben die Wut mitgenommen“, sagt er, und man glaubt ihm, weil seine Stimme klingt, als hätte er eben noch gegen den Ball getreten. Die Dreifachbelastung ist vorbei, die Doppelmoral auch: Stuttgart gewinnt nach Europacup-Absturz nicht trotz, sondern wegen der Frustration.

Restprogramm? eher ein gästebuch für die top-3
Jetzt kommen Bayern, Dortmund, Leverkusen – klingt nach Horror, ist für den VfB aber ein Selbstversuch. Platz drei ist bereits gesichert, das Pokalhalbfinale gegen Freiburg ein Bonus. Die Mannschaft, die unter der Woche Europa verließ, hat sich selbst nicht verlassen. 30:11 Tore nach EL-Spielen, zehn Siege, ein Remis – das ist keine Statistik, das ist ein Statement. Wer so reagiert, braucht keine Fragezeichen hinter der Zukunft. Stuttgart fährt nach Augsburg nicht nur mit drei Punkten heim, sondern mit der Gewissheit, dass die Saison erst beginnt, wenn andere schon zittern.
