Ulshöfer übernimmt sofort: tsg münster setzt auf heißen nachwuchscoach

Die TSG Münster schlägt zu – und wie. Gerade mal 48 Stunden nach Daniel Wernigs Abschied steht der neue Mann fest: Jonas Ulshöfer, 31, ehemaliger Zweitliga-Rückraumschlager, übernimmt den Handball-Drittligisten mit sofortiger Wirkung. Keine Bewerbungsphase, kein Casting, keine Interimslösung. Münsters Vorstand um Managerin Tina Holsten setzte auf eine klare interne Wunschlösung – und lieferte sie.

Ein duo, das sich seit jugendzeiten kennt

Ulshöfer bringt Sebastian Frieman mit – nicht irgendeinen Co-Trainer, sondern seinen „Gefährten“, wie er sagt, mit dem er schon in der A-Jugend des TV Willingen Deckungsvarianten durchgenommen hat. Die Chemie stimmt, die Sprache ist dieselbe. „Wir brauchen keine Zeit, um uns einzuspielen“, betont Frieman, der zuletzt die Zweitvertretung des TV Hüttenberg coachte. Gemeinsam wollen sie den Kader für 2025/26 umbauen – und das, obwohl Ulshöfer seine B-Lizenz erst im Februar bestanden hat.

Die Zahlen dahinter: 17 Jahre Bundesliga-Erfahrung als Spieler, 43 Länderspiele für die deutsche Studenten-Nationalmannschaft, null Erstliga-Coaching-Jobs. Ein Risiko? „Wir haben nicht nach dem sicheren Namen gesucht, sondern nach dem passenden“, kontert Holsten. Der Verein spart sich ein teures Auswahlkomitee und setzt auf Nachwuchs – nicht nur auf der Platte, sondern auch an der Linie.

Was das für münsters 3.-liga-ziel bedeutet

Was das für münsters 3.-liga-ziel bedeutet

Die TSG landete in dieser Saison Platz 9 – zu wenig für Aufstiegsfantasien, zu viel für Abstiegsangst. Ulshöfers Job lautet: Stabilität. „Wir wollen keinen Feuerwehrmodus mehr erleben“, fordert der neue Coach. Er plant mit maximal vier Neuzugängen, dafür aber mit einem klaren Rotationsprinzip. Erste Maßnahme: Das Trainingslager wird vorgezogen, schon Mitte Juli steht eine Woche in Oberhof an – mit GPS-Armbändern und Laktattests. „Wer nicht läuft, fliegt“, lautet die Devise.

Lo que nadie cuenta es… dass Ulshöfer selbst noch nebenberuflich arbeitet: Als Sportökonom bei einer Dortmunder Beratungsfirma. Er will seine Excel-Listen mit Handball-Metrik verheiraten – und bringt dafür ein eigenes Analysten-Team mit. Die TSG bezahlt keine externe Datenfirma mehr, sondern baut ein eigenes Performance-Center auf. Kostet 28 000 Euro, spart laut Vorstand aber 40 000 Euro an Scoutingsreisen.

Am 1. Juli beginnt die Vorbereitung, am 17. August geht’s gegen HSG Wetter/Grundau los. Ulshöfer hat 77 Tage. Seine erste Amtshandlung: Er lädt alle Fans ins Training. „Wer uns sehen will, soll kommen. Keine verschlossenen Türen, keine Geheimnisse.“ Münster spielt offene Karten – und setzt damit alles auf einen neuen, jungen Trainer. Wenn das klappt, steht der TSG eine goldene Dekade bevor. Wenn nicht, war es trotzdem die mutigste Entscheidung des Jahres.