Ulreich kehrt nach 539 tagen zurück und hält bayern mit herz und handschuhen
539 Tage war er weg. Dann stand Sven Ulreich plötzlich wieder zwischen den Pfosten, als hätte er nie woanders gehört. Der 37-Jährige hielt beim 1:1 in Leverkusen den Punkt fest – und mit ihm die Träume einer Saison, die ohne ihn längst abgestürzt wäre.
Ein mann, der längst mehr ist als ein ersatztorhüter
Ulreich klopfte sich nach Schlusspfiff auf die Brust, wie um sich selbst zu sagen: Ich bin noch da. Die Südkurve antwortete mit „Ulle, Ulle“-Rufen, die Mitspieler stimmten ein. Was wie ein Ritual wirkte, war ein Befreiungsschlag. Denn hinter diesem Spieltag steckt eine Geschichte, die den Sport klein macht.
Im Sommer starb sein Sohn Len, sechs Jahre alt, nach langer Krankheit. Ulreich verschwand, nicht nur aus den Stadien, sondern aus der Öffentlichkeit. Wer ihn in dieser Zeit traf, spricht von einem Menschen, der den Boden unter den Füßen verloren hatte. Fußball? Nebensache. „Jeder, der seinen Weg kennt, weiß, dass er nicht nur als Fußballer überragend ist“, sagte Josip Stanisic. Das ist keine Phrase, sondern die Wahrheit über einen Kollegen, der zwischen Trauer und Pflicht eine Brücke baute.
Nun also das Comeback, ausgerechnet in Leverkusen, wo Bayern zuletzt dreimal verlor. Ulreich wehrte einen Schuss von Grimaldo in den Winkel, hielt gegen Schick mit den Fingerspitzen. Keine Parade war spektakulär, jede aber nötig. Ohne ihn wäre die Meisterschaft endgültig entschieden gewesen. Stattdessen lebt sie weiter – wenn auch nur theoretisch.

Die frage nach dem nächsten sommer
Sein Vertrag läuft aus. Ulreich will bleiben, sagt er, „noch ein Jahr“. Die Aufgabe als Trainertorwart im Neuer-Team passe ihm. Aber: „Das ist nicht alleine meine Entscheidung.“ Dahinter steckt die Frage, ob ein Klub bereit ist, einem 38-Jährigen, der seit 2015 Dauerbänker ist, ein weiteres Jahr zu geben. Die Antwort liegt nicht nur in der Leistung, sondern in der Symbolik. Ulreich ist das lebende Andenken an eine Ära, in der Bayern noch mit Herz und Handschuhen spielte.
Am Mittwoch steht Atalanta an. Wahrscheinlich wird er wieder die Kappe abnehmen, sich verneigen und sich hinten anstellen. Dann sitzt er neben Neuer auf der Bank, schlägt vielleicht wieder ein paar Bälle ein. Aber wenn Urbig nicht fit wird und Neuer erneut zwickt, ist er bereit. 539 Tage waren eine Pause. Nicht mehr, nicht weniger.
Ulreich sagt: „Dass wir einen Punkt mitnehmen, ist eine schöne Geschichte.“ Geschichten haben eben ein Ende. Manchmal beginnen sie danach neu.
