Ulm zwingt bonn in den knockout – und die gäste liefern sich bank-slapstick
Montagabend, 18.45 Uhr, Ratiopharm-Arena: Bonn führt mit acht, sieht sich schon im Tableau der Play-off-Halbfinalisten – und kassiert innerhalb von 157 Sekunden einen 0:12-Lauf, der die Saison plötzlich ganz anders aussehen lässt. Endstand 84:77 für Ulm, dazu ein Eigentor der Gäste, das länger nachhallen wird als jedes Triple.
Die bonner bank explodiert – und zwar wortwörtlich
Was in den Statistiken als „technische Fehler“ verbucht wird, war in Wahrheit ein Kleinkrieg: Tylan Birts, nicht einmal eingewechselt, jagt Kollege Alijah Comithier während des Timeouts über die Linie, schreit ihm ins Ohr, dass er „endlich rennen statt schlendern“ solle. Comithier antwortet mit einem Handtuch-Beißgriff, schubst Birts zurück auf den Stuhl. Die restliche Bank schaut weg, als wäre dort gerade ein Plastikbecher umgefallen. Statt Mitspieler-Feeling: Reality-TV inklusive Mikrofon-Sound. Sportdirektor Savo Milovic versucht hinterher zu dementieren („Ty ist unser großer Bruder“), doch die Bilder lügen nicht: Bonn zerlegt sich selbst, bevor Ulm es tut.
Die Zahlen sind gnadenlos: 18 Turnovers in 40 Minuten, fünf davon in den letzten fünf Minuten, als das Spiel längst auf Messers Schneide stand. Jeff Garrett trägt 23 Punkte nach Hause, aber auch vier Ballverluste in Serie. Justin Simon (16 Punkte) trifft zwar nur 5/13, holt aber den entscheidenden Offensiv-Rebound, der zum 78:74 führt. „Wir haben einen Weg gefunden“, sagt Simon mit der Coolness eines Mannes, der weiß, dass die Tabelle jetzt auf seiner Seite steht.

Der direkte vergleich kippt – und mit ihm die play-off-lotsen
Mit dem 84:77 holt sich Ulm nicht nur den zweiten Head-to-Head-Sieg, sondern auch den Tie-Break. Bonn rutscht auf Rang fünf, zwei Siege hinter den Spitzenreiter, doch die Reise nach München oder Berlin wird plötzlich komplizierter. Die nächsten Gegende: Bayern und Alba – ohne Heimvorteil, dafür mit der Last, interne Brände löschen zu müssen. Ulms Trainer Thorsten Leibenath dagegen kann planen: Sein Team hat jetzt die besten Karten, die Top-Vier-Linie zu halten, und muss am Wochenende nur noch in Göttingen ran, wo die Punkte eigentlich Pflicht sind.
Für Bonn bleibt die Erkenntnis: Eine Defense, die 84 Punkte zulässt, kann noch so hart foulen – wenn die Chemie kippt, reicht selbst ein 8-Punkte-Polster nicht. Die Saison ist nicht verloren, aber die Maske ist gefallen. Und die nächste Bank-Rangelei? Die steht vermutlich schon in der Kabine vor dem Spiel in München an. Denn wer sich im Titelkampf selbst blockiert, braucht keinen Gegner mehr.
