Ulm verspielt 2:0 beim tabellenletzten und rast richtung 4. liga
2:0-Führung beim Schlusslicht – und dann 2:3. Was in Schweinfurt passierte, ist kein Rückschlag mehr, es ist der offene Kollaps eines Aufsteigers, der binnen zwölf Monaten zur Fahrstuhlmannschaft mutiert.
Lucas Röser traf zweimal, schon nach 53 Minuten schien der Befreiungsschlag perfekt. Die 600 Ulmer Fans sangen, die Mannschaft kontrollierte. Dann kam die 73. Minute – und mit ihr der Absturz in drei Akten: Ecke, Elfmeter, Freistoß. Drei Standards, drei Gegentore, ein historisches Debakel.

Pavel dotchev zuckt mit den schultern – und greift tief in die mottenkiste
„Wir haben das Spiel durch drei Standards verloren, mehr gibt es nicht zu sagen“, presste der Coach zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor. Der 60-Jährige, einst Drittliga-Virtuose mit 364 Partien Erfahrung, wirkte wie ein Schachspieler, dem drei Springer gleichzeitig vom Brett flogen. Seine Reaktion: Dressel für Stabilität, Mamba für Frische. Die Antwort des Gegners: Grimbs, Geis, Bär. 3:2. Publikum verstummt, Saison verglüht.
Die Zahlen lügen nicht: Seit sieben Spielen ohne Sieg, seit fünf Partien ohne eigenes Tor aus dem Spiel heraus. Die Lücke zu Saarbrücken: acht Zähler. Noch vier Spiele. Der Relegationsplatz ist kein Alptraum mehr, er ist Realität.
Am Zaun von Willy-Sachs-Stadion standen die Ulmer Anhänger, Fahnen halb heruntergezogen, Stimmen heiser. „Wir haben so lange gelitten, und jetzt das“, sagte ein Fan, der seit 1998 dabei ist. Sein Blick wanderte zum Auswärtsblock, wo Röser mit hängendem Kopf stand. „Leere“, murmelte der Kapitän ins Mikro, „einfach nur Leere.“
Dotchev will nichts beschönigen. „Mit diesem Trend steigen wir ab, Punkt.“ Keine Floskel, keine Kampfansage, nur nackte Erkenntnis. Nächste Gegner: Ingolstadt, Cottbus, Verl – alles Teams, die oben mitmischen. Die Frist läuft ab, die Schuldfrage steht offen.
Die Spatzen von einst fliegen wieder in die vierte Liga – und diesmal ohne Netz.
