Ukraine verweigert schlussfeier: „dort weht die flagge eines staatsmörders“
Cortina d’Ampezzo. Kein Einzug, kein Applaus, keine weiße Fahne. Die ukrainische Delegation wird am Sonntagabend der Abschlussfeier der Paralympics fernbleiben – und das ist keine Nebensache, sondern eine Kampfansage. „Nein, niemals. Da wird die Flagge eines Staatsmörders gehisst“, sagt Walerij Suschkewytsch, Präsident des Nationalen Paralympischen Komitees der Ukraine, auf dpa-Nachfrage. Die 59 Sekunden seines Audio-Statements reichen, um das Protokoll zu sprengen.
Die ukrainischen Athleten hatten bereits die Eröffnungszeremonie boykottiert, nun zieht Kiew auch den Schlussstrich – buchstäblich. Mit derselben Entschlossenheit, mit der ihre Sportler auf der Loipe und der Piste kämpfen, verweigern sie sich jetzt dem olympischen Ritual der Versöhnung. Suschkewytsch spricht von den „schlimmsten Spielen der Geschichte“. Für ihn ist klar: Wer neben Russland auf die Matte geht, macht sich zum Komplizen.
Litauen schließt sich an – deutschland steht drin
Litauen folgt dem ukrainischen Beispiel. „Wir sind zutiefst enttäuscht“, teilt die litauische Delegation mit. Finnland, Lettland, Estland, Polen und Tschechien hatten bereits vor Tagen ihren diplomatischen Ausstand signalisiert. Nur 28 von 55 Nationen hatten sich am Einmarsch beteiligt – ein unrühmlicher Rekord, der die Spaltung des Paralympischen Komitees offenlegt.
Deutschland indessen wird präsent sein. Andrea Rothfuss, die Ausnahmeskiläuferin, und Snowboarder Christian Schmiedt tragen die Schwarz-Rot-Gold-Fahne ins Curling-Stadion. Ein Symbol des Sports, der sich der Politik verweigert – oder sich ihr beugt, je nach Standpunkt. Das Team um Langläuferin Linn Kazmaier, die nach ihrer Silbermedaille demonstrativ die Faust gegen Russland hob, wird fehlen. Die Nordisch-Athleten feiern im 120 Kilometer entfernten Predazzo ihren eigenen Ausklang.

Gold für putin – nicht fürs land
Suschkewytsch’ Worte sind keine Wahlkampfrhetorik. Er nennt die russischen Goldmedaillengewinner „Vertreter von Terrorismus“. Die Tatsache, dass russische Parasportler ihre Triumphe dem Kreml-Chef widmen, sei der Beweis, dass die Delegation nicht für Russland stehe, „sondern für Krieg und militärische Angriffe“. Die IPC hatte Russland nach zweijähriger Suspendierung wieder unter eigener Flagge starten lassen – ein Fehler, sagt der Ukrainer, „den die Geschichte nicht vergessen wird“.
Die Paralympics enden mit einem Schlusspunkt, der keiner ist. Statt gemeinsamer Freude bleibt ein Schatten, der sich über die Dolomitenhänge zieht. Die Athleten werden einmarschieren, die Fahnen werden wehen – aber die Lücke am rechten Rand des Feldes wird man sehen. Und wer genau hinschaut, erkennt: Diese Leere ist lauter als jedes Feuerwerk. Die Spiele sind zu Ende, der Konflikt nicht.
