Uec plant: 4,4 mrd. € champions-gelder neu verteilen – bayern & co. sollen zahlen

Die Champions League ist ein Milliardengrab für 90 Prozent der europäischen Klubs – und ein Geldautomat für die übrigen zehn. Die Union of European Clubs (UEC) legt jetzt einen Verteil-Schlachtplan vor, der den Henkelpott zum Kippen bringen könnte. Kernforderung: Weg mit der 35-prozentigen „Wertprämie“, die allein Bayern, Barça & Co. in den letzten zehn Jahren 1,16 Mrd. Euro beschert hat. Stattdessen sollen 85 Prozent des Startgeldes direkt in die heimischen Ligen fließen – und zwar gleichmäßig.

Die rechnung ist brutal: portugal 79,8-facher unterschied

Die Zahlen, die die UEC am Mittwoch in Sofia präsentierte, sind keine Excel-Spalten, sondern ein Spiegelbild kaputter Wettbewerbe. In der portugiesischen Primeira Liga verdient der Spitzenreiter fast 80-mal mehr als das Schlusslicht. In der französischen Ligue 1 liegt der Faktor immer noch bei 46,1 – Tendenz steigend, weil PSG allein durch die UEFA-Wertprämie mehr kassiert als 14 erste-Liga-Klubs zusammen. Die UEC fordert deshalb eine sofortige Streichung dieser Prämie und eine Umverteilung zugunsten von Europa League und Conference League. Ihr Vorschlag: Champions League nur noch 50 Prozent statt bisher 74 Prozent des Topfes, dafür Europa League 30 und Conference League 20 Prozent.

Was bedeutet das konkret für Deutschland? Der FC Bayern hätte in der Saison 2024/25 rund 60 Millionen Euro weniger erhalten, dafür bekämen clubs wie Bochum, Heidenheim oder Kiel eine Grundsolidarität von jährlich 8–10 Millionen – unabhängig von Europacup-Teilnahme. Der DFL-Vertrag für die nationalen Medienrechte läuft 2025 aus; spannende Meisterschaften steigern die Auktion, wie Leverkusens Vorstoß diesen Sommer bewies. Die UEC argumentiert: Je enger die Liga, desto höher der TV-Wert – und am Ende profitieren selbst die Bayern, weil ihre Marken-Präsenz in einem spannenden Umfeld steigt.

Hoeneß’ rote-zahlen-these wird ad absurdum geführt

Hoeneß’ rote-zahlen-these wird ad absurdum geführt

Uli Hoeneß hatte öffentlich gemacht, ohne die Klub-WM drohe dem FC Bayern ein Minus. Die UEC kontert mit einer internen Analyse: Die Münchner wären auch ohne die FIFA-Zusatzkohle in den Gewinnzonen gewandert – allenfalls „nur“ 75 statt 95 Millionen. Die Horror-Szenarien der Großklubs seien „strategisch inszenierte Angstmache“, sagt UEC-Sprecher Alberto Colombo. Tatsächlich fließen 3,317 Milliarden Euro an Preisgeld, nachdem UEFA bereits 1,083 Mrd. für Organisationskosten, Solidarität und Frauen-Fußball abgezweigt hat. Die UEC will diese Solidaritätszahlung streichen und stattdessen nationale Ligen direkt füttern – mit dem Effekt, dass der Gesamttopf auf 3,525 Milliarden steigt.

Kritiker aus dem Lager der European Club Association (ECA) unter Führung von PSG-Chef Nasser Al-Khelaifi warnen vor „Sozialismus light“. Die ECA betont, Leistung dürfe nicht bestraft werden. Doch die Zahlen sprechen eine andere Sprache: Seit Einführung der 10-Jahres-Wertprämie 2018 schafften nur zwei Neueinsteiger (Villarreal 2021, West Ham 2022) das Achtelfinale. Vor 2018 waren es sieben. Die UEC nennt das „Zementierung live“.

Ob der Plan Realität wird, ist offen. Die UEFA muss ihre Medienrechte für 2027 neu versteigern, und die ECA hält über das Joint Venture 49 Prozent der Stimmrechte. Dennoch: Erstmals liegt ein konkretes Modell auf dem Tisch, das nicht nur kleine Klubs rettet, sondern den europäischen Fußball wieder interessanter machen könnte. Die UEC hat bereits 113 Erst- und Zweitligisten hinter sich, darunter Union Berlin, Freiburg und Augsburg. Die Debatte beginnt jetzt – und sie wird laut.