Turn-weltverband hebt russland-sanktionen auf: russische turner dürfen wieder unter nationalflagge starten
Die Sperre ist Geschichte. Mit einem Federstrich hat das Exekutiv-Komitee des Turn-Weltverbands in Scharm el Scheich alle Restriktionen gegen russische und belarusische Athleten aufgehoben – sofort, ohne Übergangsfrist. Das bedeutet: Angelina Melnikowa und ihre Teamkolleginnen treten künftig wieder mit Tricolor und Hymne an, vier Jahre nach dem Beginn des Ukraine-Kriegs.
Kein neutrales korsett mehr
Die Regelung, die „individual neutral athletes“ vorschrieb, war ohnehin ein Flickenteppich. Wer keine „sichtbare Verbindung“ zum Nationalverband zeigte, durfte starten – ein Papierkrieg, der Athleten entweder entnationalisierte oder in die Illegalität drängte. Nun fallen auch diese letzten Fassaden. Der russische Verband bestätigte binnen Minuten: „Unsere Turnerinnen und Turner dürfen wieder unter russischer Flagge und zur russischen Nationalhymne antreten.“
Die Entscheidung folgt dem Muster, das der Schwimm-Weltverband World Aquatics Mitte April vorgelegt hatte. Auch das IOC hatte die Sanktionen gegen Belarus aufgehoben, Russland aber weiterhin isoliert. Die FIG zieht nun beide Länder gleich – und steht damit vor einem juristischen Dammbruch: Weitere Fachverbände dürften nachziehen, bevor die Sommerspiele 2028 qualifizieren.

Der preis der heimkehr
Internationale Verbände hatten ursprünglich argumentiert, Sport dürfe nicht zu Propaganda verkommen. Die Kehrtwende kommt ohne neue Bedingungen – keine Anti-Kriegserklärung, keine Auflagen zu Militärdienst oder Staatsförderung. Einzig die Ukraine reagierte sofort: Das Sportministerium in Kiew kündigte „konsequente Gegenmaßnahmen“ an, ohne Details zu nennen.
Für die Turner selbst ist die Freiheit ein zweischneidiges Schwert. Melnikowa, 2020 noch Goldheldin von Tokio, wird wieder als Staatsvertreterin auf Matte und Balken marschieren – und sich dabei denselben Protesten ausgesetzt sehen, die schon Schwimmer wie Evgeny Rylov bei der Weltcup-Gala in Budapest einholten.
Die Weltcup-Saison 2027 beginnt in drei Wochen in Kölner Lanxess-Arena. Tickets sind bereits ausverkauft. Wer dort die russische Hymne erklingen hört, weiß: Die Sportpolitik hat ihre rote Linie verwischt – und die Athleten stehen zwischen Jubel und Buh-Rufen auf dem Podest.
