Türkische dramen kollabieren: canale 5 streicht sendeplatz – das war gestern noch anders

Milano – Mittags-Türkisch auf Canale 5 bekommt einen Kater. Nachdem Io sono Farah am Freitag endet, bleibt um 14:05 ein schwarzes Loch. Keine neue Serie, kein Ersatz, einfach nur tote Luft bis zur Nachrichtensendung. So steht es intern auf dem Plan, den Riccardo Cristilli exklusiv einsehen konnte.

Die Quoten lügen nicht: Die türkischen Dramen verlieren seit drei Quartalen zweistellig. Doch statt umzusteuern, entscheidet der Sender, Luft nachzulassen – eine Geste, die in der Branche für Stirnrunzeln sorgt. „Wenn du einen Slot aufgibst, den du jahrelang gepusht hast, signalisierst du Zuschauern und Werbekunden: Hier ist nichts mehr zu holen“, sagt ein Medienmanager, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will.

Das war gestern noch anders

Das war gestern noch anders

In der letzten Folge von Io sono Farah lehnte Bade Mehmet’s Heiratsantrag ab – nicht aus Lieblosigkeit, sondern wegen seiner Lügenkaskade. Parallel entlarvte Yildiz in Forbidden Fruit den Babyswitch und stürzte in tiefe Verzweiflung. Ender presste die Klinikchefin, sämtliche Neugeborenen-Familien des Tages zu kontaktieren. Bei La Forza di una Donna forderte Ceyda Arif auf, ihr bei der Suche nach ihrem leiblichen Sohn zu helfen – während ihre Schwester sich mit Emre trifft. Cliffhanger, die nun ins Leere laufen.

Die Produktionsfirmen in Istanbul reagieren nervös. Drehbücher für die nächste Staffel liegen bereit, Sets sind gebucht, doch Canale 5 hat noch keine neuen Slots freigegeben. Ein türkischer Showrunner, der seit zehn Jahren mit italienischen Sendern arbeitet, schickt eine Sprachnachricht: „Wir sind Kollateralschaden. Die Italiener wollen wieder Eigenproduktionen, die billiger sind und besser lokale CPMs liefern.“

Für die treue Fanbase, die täglich um 14 Uhr vor dem Bildschirm kocht, wird der Freitag zum Schnitt. Social-Media-Gruppen toben: „Warum sollen wir für Luft zahlen?“ Die Antwort lautet: Weil Werbekunden genau diese Luft aktuell nicht buchen wollen. Die Preise für 15-Sekünder-Spots in der Vorabend-Türkisch-Zone brachen laut Nielsen Italia um 18 % ein – das reicht, um selbst hartgesottene Programmplaner umzustimmen.

Die Entscheidung steht: Keine neue Dizi, kein neues Drama. Stattdessen rollen Wiederholungen von „Forum“ und Regionalmagazinen nach. Für die türkische Serienwelle in Italien könnte das der erste Riss sein, der nicht mehr zu kitten ist. Wer jetzt noch an Bord bleibt, zockt auf Abruf – und das ist ein Geschäft, bei dem Canale 5 nur noch mitlaufen darf, nicht mehr bestimmen.