Tunesien holt anti: franzose übernimmt wüstenfußball mit doppelbelastung

Thierry Anti ist zurück im Geschäft – und das mit Ansage. Der 67-jährige Franzose unterschrieb in Tunis einen Vertrag bis 2028, während er parallel ab Sommer auch Chartres Metropole in der LNH betreuen wird. Eine Doppelrolle, die in Afrika kaum jemand wagt.

Anti verkörpert die frankophone handball-dynastie tunesiens

Seit 1957 wechseln sich in Tunis europäische Taktiklehrer und lokale Interimslösungen ab. Anti ist nun der sechste Franzose, der das Nationalteam übernimmt – ein Muster, das kein anderes afrikanisches Land so konsequent pflegt. Die Erfolge sprechen: Silber 1985, Bronze 1983, beides unter DDR-Legende Reiner Ganschow. Seitdem suchte man vergeblich nach Kontinuität.

Die Zahlen aus Anti’s Vita lesen sich wie ein Who-is-Who des europäischen Klubhandballs. Zehn Jahre lang formte er HBC Nantes vom Provinzclub zum Champions-League-Finalisten. 2018 standen seine Jungs im Kölner Finale gegen Montpellier – ein Spiel, das in der Bretagne noch immer als verlorene Religion gilt. Davor schon holte er den Coupe de France mit Paris Handball, damals noch ohne Katar-Geld, dafür mit dem Charme der Banlieue.

Der co-trainer von einst wird zum mentor

Der co-trainer von einst wird zum mentor

Anti begann seine Karriere als Assistent von Sead Hasanefendic – genau jenem Coach, der Tunesien 1999 und 2007 bereits zweimal führte. Ein Zirkelschluss, der dem Handball-Verband offenbar gefällt. Hasanefendic lehrte ihn offensive Verteidigung, Anti verfeinerte sie mit Videoanalyse und Positionsflexibilität. Nun soll er jene DNA zurückbringen, die Tunesien einst zur Angstgegner-Republik machte.

Doch die Uhr tickt. In zwölf Monaten steht die Afrika-Cup-Ausscheidung an, 2026 die Weltmeisterschaft in Deutschland. Anti muss also nicht nur ein Team formen, sondern gleich zwei: ein afrikanisches und ein französisches. Chartres Metropole plant den Saisonstart in der LNH, während Anti in Tunis Testspiele gegen Ägypten und Algerien vorbereitet. Ein Flugplan, der selbst erfahrene Athleten ins Schwitzen bringt.

Die entscheidende Frage lautet: Schafft er es, die Wüstenfüchse wieder zu Jägern zu machen? Tunesiens letzte Medaille datiert aus dem Jahr 2006, damals noch mit Wael Jallouz und Marouan Chouiref. Heute bestimmen Halbjungen wie Oussama Boughanmi und Mosbah Sanaa den Kader – Spieler, die in europäischen Mittelklasse-Clubs Erfahrung sammeln, aber noch keine Führungspersönlichkeiten sind. Anti muss sie reifen lassen, ohne sie zu verbrennen.

Der Vertrag bis 2028 ist kein Zufall. Genau dann läuft die nächste Olympia-Qualifikation. Tunesien will zurück nach Paris, wo Anti einst seine größten Siege feierte. Die Ironie ist Programm: Der Franzose, der in Nantes zum Idol wurde, soll nun das afrikanische Exil beenden – mit denselben Methoden, die ihn einst berühmt machten. Ob es reicht, wird sich zeigen. Fest steht: Thierry Anti liebt Herausforderungen. Und diese ist womöglich seine letzte große.