Tudor raus nach 49 tagen: spurs schlittern in den keller
Klaus Schäfer aus dem TSV Pelkum Sportwelt-Newsroom – sieben Spiele hat es gedauert, dann war Schluss: Tottenham trennt sich von Igor Tudor. Die Niederlage gegen Nottingham Forest war ein Schock, aber die Entscheidung kam trotzdem abrupt. Die Spurs rutschen auf Platz 17, nur einen Zähler vor West Ham. Die Königsklasse? Aus, die Europa League? Keine Erinnerung. Einziger Lichtblick: das 3:2 gegen Atlético, Tudors einziger Sieg.
49 Tage, 15 Pflichtspiele, vier Liga-Niederlagen, ein Remis beim FC Liverpool. Das ist die Bilanz des Kroaten, der Ende Februar den entlassenen Thomas Frank beerbte. Der Vertrag lief bis Juni, nun ist er Makulatur. Mit ihm fliegen Torwarttrainer Tomislav Rogic und Fitnesscoach Riccardo Ragnacci raus. Der Verein spricht von „einvernehmlich“, doch der Zeitpunkt ist brutal: Tudor erfuhr nach der 0:3-Pleite vom Tod seines Vaters.

Warum tudor scheiterte – und was jetzt auf tottenham zukommt
Der 46-Jährige kam als Notlösung, hatte bei Juventus im Oktober die Koffer gepackt und wollte in London sein Image flicken. Stattdessen nagte an ihm dieselbe Fragilität, die schon Frank zum Verhängnis wurde: eine defensive, die wie Pappe wirkt, ein Mittelfeld, das sich selbst sucht, und ein Angriff, der nur noch aus Son-Heung-Min-Kopfbällen besteht. Die Spurs erzielten unter Tudor nur vier Liga-Tore, kassierten neun. Die xG-Werte lügen nicht: 0,9 pro Spiel, Tendenz fallend.
Die Kabine brodelt. Kapitän Cristian Romero soll nach Insider-Infos beim Gegenpressing „keine Anweitung verstanden“ haben, James Maddison twitterte nach dem Forest-Debakel ein verschwommenes Schwarzbild – keine Worte, nur Stille. Die Fans skandierten „Levy out“, Richtung Vorstandsetage. Daniel Silver, der neue Sportdirektor, soll intern drei Kandidaten auf dem Zettel haben: Graham Potter lehnte schon im Winter ab, Ruud van Nistelrooy ist auf Schalke noch unter Vertrag, die dritte Option ist ein Geheimtipp aus der Serie A.
Am Samstag geht’s zu Brighton, dann folgen Aston Villa und Manchester City. Ein Punkt aus neun Spielen würde Tottenham wahrscheinlich kosten. Die Abstiegsquote der Buchmacher schoss nach der Tudor-Entlassung von 38 auf 52 Prozent nach oben. Die Statistik ist gnadenlos: Kein Klub, der in den letzten zehn Jahren drei Trainer in einer Saison wechselte, blieb am Ende in der Premier League. Die Spurs schreiben Geschichte – nur leider in die falsche Richtung.
Die Nachfolger-Entscheidung will der Klub „zu gegebener Zeit“ verkünden. Das kann morgen sein oder nach dem 34. Spieltag. Bis dahin übernimmt U-21-Coach Ryan Mason das Training, wieder einmal. Er war schon 2021 und 2023 Interimschef, kennt die Chaos-Logik auswendig. Die Spieler nennen ihn „Bridge-Builder“, weil er zwischen alt und jung vermittelt. Ob das reicht? Zweifel sind erlaubt. Die Saison ist ein Trümmerhaufen, die Europa-League-Trophäe vom Mai 2024 steht inzwischen wie ein Totemschlitten in der Vitrine – schön anzusehen, aber ohne Antrieb.
Für Tudor bleibt ein versiegelter Koffer und eine Trauerfeier in Split. Die Spurs zahlen eine Abfindung in niedriger siebenstelliger Höhe, sein Berater erwägt rechtliche Schritte wegen „moralischer Kündigung“. Der Kroate selbst schweigt, nur ein Satz ging an die Presse: „Ich habe versucht, aus Scherben etwas Neues zu formen, aber das Glas war schon zersprungen.“ Die Wahrheit klingt hart, sie ist aber banal: Tottenham war kurz vor seinem Amtsantritt ein Krisenklub – und ist heute ein Abstiegskandidat. Tudor ist weg, das Problem bleibt.
