Tuchel mit zweiter garde entzaubert: valverde rettet uruguay spät

80 500 Zuschauer in Wembley erwarteten eine Gala, sahen 83 Minuten lang ein Experiment. Dann trat Federico Valverde auf und zerstörte Thomas Tuchels Plan, mit der Reserve zu glänzen. Das 1:1 gegen Uruguay offenbart ein Dilemma: Der neue England-Coach kann zwar rotieren, aber ohne seine Stars bleibt die Maschine stotternd.

White trifft, white trifft – nur leider zweimal

Ben White war der Held und Buhmann in einer Person. Der Arsenal-Verteidiger köpfte England in Führung, foulte anschließend Viñas und schenkte Valverde den Ausgleich vom Punkt. Die Schlussszene war symptomatisch: Eine B-Elf, die bis dahin müde kombinierte, brach in der Nachspielzeit einfach auseinander.

Tuchel hatte acht Profis aus der Startelf von Albanien ausgewechselt, ließ Rice, Bellingham und Kane sogar zu Hause. Die neue Dreierreihe aus Foden, Rashford und Madueke wirkte wie drei Tänzer, die auf unterschiedliche Musik hören. Keine Laufwege, kein Pressing, nur Ballbesitz ohne Biss. Uruguay dagegen lief nach Bielsa-Manier: hoch, aggressiv, mit dem Gefühl, jeden zweiten Ball besitzen zu dürfen.

Maguire führt, doch niemand folgt

Maguire führt, doch niemand folgt

Harry Maguire bekam die Binde, aber nicht die Kontrolle. Seine Diagonalbälle enden im Seitennetz, seine Rufe im Leeren. Davor strauchelte Solanke, hinter ihm wirkte Henderson wie ein Relikt aus vergangenen Tagen. Nur Cole Palmer, in der 56. Minute eingewechselt, brachte Tempo. Seine Ecke fand White – das war’s dann auch schon mit der Offensiv-Feierlichkeit.

Die Statistik lügt nicht: Erster Torschuss Uruguays erst nach 87 Minuten, dafür trifft er. England erzielt zwar 17 Schüsse, doch nur vier gehen überhaupt aufs Tor. Die xWerte (1,4 zu 0,3) spiegeln ein Freundschaftsspiel wider, das sich selbst nicht ernst nahm.

Japan als stresstest, uruguay lacht

Japan als stresstest, uruguay lacht

Für Tuchel geht die Suche nach einem funktionierenden Plan B weiter. Am Dienstag wartet Japan, ein Team, das selbst ohne Ballbesitz tödlich kontert. Uruguay fliegt mit dem Gefühl, den englischen Stolz gebremst zu haben. Valverde packt seine Sieben-Sekunden-Sprint-Statistik ein und denkt an Madrid. White packt die Headlines ein und denkt an die nächste Ecke.

Die Botschaft ist klar: Wer ohne seine Galácticos auskommen will, braucht mehr als nur neue Namen auf dem Papier. Er braucht eine Idee – und die fand sich in 90 Minuten nicht ein einziges Mal.