Tuchel jagt mit 35-mann-armee die letzten wm-tickets
Thomas Tuchel hat die englische Nationalmannschaft in einen Hochleistungsmixer geworfen. 35 Profis, zwei Testspiele, ein Ticketpoker – und am Ende fliegen nur 26 nach Amerika. Die Botschaft des deutschen Trainers klingt wie ein Zahnarztbesuch: Erst kommt die Bohrmaschine, dann die Entscheidung.
Die methode tuchel: split-camp statt sommeridylle
Am 27. März trifft England in London auf Uruguay – mit einer A-Gruppe, die danach auseinanderbröselt. „Zehn, elf Spieler packen direkt wieder die Koffer“, sagt Tuchel. Die Rest-Truppe verstärkt sich für das Duell mit Japan vier Tage später. So kann er 35 Körper, 35 Leistungskurven und 35 Nervenstäbe messen, ohne das FIFA-Limit von 26 zu brechen. Die Idee stammt aus dem Physikunterricht: Zwei Systeme, ein Ergebnis.
Die Zahl, die durch die Kabine geistert: neun. Genau so viele müssen gehen. Trent Alexander-Arnold ist schon draußen – der Real-Madrid-Rechtsverteidiger fehlt komplett. Dagegen kehren Harry Maguire und der 19-jährige Kobbie Mainoo zurück, beide zuletzt aussortiert, nun wieder im Rennen um die Flüge in die USA, Mexiko und Kanada.

Die gruppe l wartet mit einem grinsen
Wenn das Turnier am 11. Juni startet, trifft England auf Ghana, Kroatien und Panama. Buchmacher sehen die Three Lions im vorderen Drittel, Tuchel sieht vor allem Arbeitsfutter. „Wir wollen alle Daten, alle Gesichter, alle Reaktionen unter Stress“, sagt er. Stress beginnt schon jetzt. Die Spieler wissen: Wer in den ersten 72 Stunden nicht glänzt, fliegt früher als geplant nach Hause.
Die Uhr tickt. In knapp 100 Stunden steht Uruguay bereit, in unter 200 Stunden rollt der Ball gegen Japan. Danach fallen die Masken – und neun Profis dürften ihren Instagram-Account mit Heimflug-Selfies füllen. Tuchel wirkt entspannt, fast schon klinisch. Seine Mission lautet: Chaos erzeugen, Ordnung finden, Titel holen. Der Rest ist Rhetorik.
